Vom Sinn des Leidens


„Jesus ist gekommen, damit er diene und sein Leben gebe zu einer Erlösung für viele“
(Matthäus-Evangelium, Kapitel 20). Wie kann man das verstehen?

Die Vorbereitungszeit auf das Osterfest ist eine Zeit, in der überall auf der Welt über das Leiden und Sterben Jesu nachgedacht wird. Passions-Musiken werden aufgeführt, zahlreiche Veranstaltungen finden dazu statt.
Welchen Sinn hatte es, dass dieser etwa dreißig Jahre alte Mann, den man Jesus nannte, unschuldig hingerichtet wurde? Diese Frage führt uns zum großen Thema „Leid des Menschen“.
Wer über die Passion Jesu spricht, der spricht vom Leid des Menschen.
„ECCE HOMO!“ – „Seht, welch ein Mensch!“. Oft ist dieser Satz aus der Passionsgeschichte vertont, gezeichnet, gemalt und interpretiert worden.
Dr. Viktor E. Frankl, ein 1905 geborener jüdischer Arzt und Psychiater, hat sein Leben lang über dieses große Thema geforscht, gearbeitet und geschrieben. Grundlage seiner Arbeiten über den Sinn des Leidens waren seine eigenen Erfahrungen als Häftling in vier Konzentrationslagern.
Er hat das sinnlose Sterben von hunderten, wenn nicht gar von tausenden Menschen gesehen. Er war selbst in ständiger Todesgefahr. Er hat erlebt, wozu Menschen in der Lage sind. Nicht selten waren die KAPOS, die selber Häftlinge waren, noch bestialischer als die Aufseher von der SS.
Frankl schreibt in seinem bemerkenswerten Buch „….trotzdem Ja zum Leben sagen. Ein Psychologe erlebt das Konzentrationslager“ aufgrund seiner Erfahrungen mit tiefstem menschlichem Leid:
„Es kommt nicht darauf an, was ich vom Leben erwarte. Es kommt vielmehr darauf an, was das Leben von mir erwartet.“
Diese Umkehr der Sichtweise nennt er eine „Kopernikanische Wende“ – wer so auf sein Leben schaut, für den verändert sich alles. Auch die Sicht auf das Leid, das ja zu jedem Leben dazu gehört.
Frankl berichtet zum Beispiel von einem Mithäftling in Auschwitz: der hatte einen „Pakt“ mit dem Himmel geschlossen. Sein Leiden und sein Sterben möge dem von ihm so geliebten Menschen einen qualvollen Tod ersparen.
Frankl schreibt dazu: „Für diesen Mann war Leiden und Sterben nicht sinnlos, sondern – als Opfer – voll tiefsten Sinnes geworden. Ohne Sinn wollte er nicht leiden und sterben.“

„Ich habe nichts mehr vom Leben zu erwarten“ – so sagten viele Häftlinge angesichts des nahen Todes im Konzentrationslager.
So sprechen auch heute nicht wenige Menschen, wenn sie schwerkrank oder von einem schweren Schicksalsschlag getroffen sind. Woher kann Trost kommen?
Aus dem Wechsel der Perspektive.
Wir, jeder von uns und jeder einmalig und unverwechselbar, wir geben dem, was wir erleben oder erfahren, einen Sinn.
„Es kommt nicht darauf an, was du vom Leben erwartest – sondern es kommt darauf an, was das Leben von dir erwartet.“ Manchmal erwartet es ein Opfer, manchmal erwartet es, dass wir das Leiden schlicht aushalten; manchmal erwartet es, dass wir weiterleben und etwas zu Ende bringen, das wir angefangen hatten….Jeder muss und kann die Frage nach dem Sinn selber beantworten. Es ist keine „schnelle“ Antwort. Keine oberflächlich nur so dahin gesagte. Aber eine, die sich finden lässt.
„Jesus ist nicht gekommen, damit man ihm diene, sondern damit er diene und sein Leben gebe für viele.“
Darüber lohnt sich, nachzudenken.

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Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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