Mit Ohnmacht umgehen


„Ich kann nichts tun.“ Das ist die Erfahrung von Ohnmacht. In Aleppo zum Beispiel.
Ich sehe die fürchterlichen Bilder, lese Kommentare, spüre meinen Zorn – und meine Ohnmacht. Ich kann nicht verhindern, dass diese ehemals wunderschöne Stadt nun nur noch Schutt und Asche ist. Ich habe nicht die Macht, das zu ändern. Andere treffen die Entscheidungen. Ich bin zum Zusehen verdammt.
Der Weltsicherheitsrat war am Ende seiner Möglichkeiten. Das Vetorecht verhindert Mehrheitsbeschlüsse in diesem einflussreichsten Gremium der Vereinten Nationen.
Die nationalen Regierungen sind am Ende ihres Lateins.
Assad hat sich mit Russland und dem Iran verbündet und bombt sich weiter durch’s Land.
Wir sehen die Bilder.
In Russland sieht man andere Bilder, wie Udo Lilischkies von der ARD mitgeteilt hat. Dort sieht man jubelnde Menschen, die sich über die „Befreiung“ von den „Terroristen“ freuen.
Welche Bilder stimmen? Wer setzt uns welche Bilder vor mit welcher Absicht?
Der Konflikt in Aleppo ist von sehr vielen Interessen geprägt. Kaum einer „sieht noch durch“, worum es da eigentlich geht.
Aber eines ist wohl sicher: die Zivilbevölkerung, die Alten, die Frauen, die Kinder, die Männer – sie sind die Leidtragenden.
Ich sitze im warmen Zimmer im reichen Deutschland an meinem Laptop und sehe die Bilder, spüre meinen Zorn, nehme auch wahr, dass so mancher im Lande verzweifelt ist über diese verfahrene Situation.
Menschen erleben sich als ohnmächtig.
Zum Zuschauen verurteilt. Andere handeln.

Wie kann ich mit dieser Ohnmacht umgehen? Lasse ich mich von ihr beherrschen? Nein.
Ich kann versuchen, herauszufinden, ob es nicht doch Wege der Hilfe gibt.
Kleine, zaghafte, angesichts des Elends beinahe lächerliche Wege.
Gibt es noch Organisationen, die in der Stadt Hilfe anbieten?
Ich beginne zu suchen.
Bei Brot für die Welt werde ich nicht fündig, da ist ein spezielles Hilfsprogramm für Aleppo noch nicht aufgelegt, das wird aber wohl noch kommen. Jetzt, nach dem Abzug der Rebellen aus dem Ostteil der Stadt. Hoffentlich werden nun die Zugangsmöglichkeiten für die Hilfsorganisationen wieder besser.
UNICEF finde ich. UNICEF ist noch mit 200 Mitarbeitern in der Stadt. Von Damaskus und von Aleppo aus versucht man zu helfen. Den Kindern vor allem.
Wenigstens ein kleiner Lichtblick.
Denen kann ich helfen.
Denen kann ich meine kleine Hilfe anbieten.
Und ich tue es gern. Es hilft mir, mit meiner Ohnmacht besser umzugehen. Wenigstens eine kleine Möglichkeit, meinen Zorn und meine Ohnmacht etwas zu besänftigen.
Viel ist es nicht, aber es ist etwas. Immerhin.
Ich brauche nicht völlig stecken zu bleiben im Gefühl der Ohnmacht.
Ich kann die Energie, die in meinem Zorn steckt, wandeln.
Und zu helfen versuchen.
So gut es geht.
Und es geht sehr schnell und sehr einfach.
Hier geht’s lang.

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Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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