Wider die Völkischen. Ein oral history Projekt gegen die Unvernunft


Die „Völkischen“ machen wieder mobil. Sie kommen aus allen Ecken, verbünden sich, organisieren sich. Sie hetzen gegen Politik, Parlament, „die da oben“, gegen vermeintliche „Eliten“. Das „Fremde“ soll wieder „raus aus unserem Vaterland“, da wird wieder was von einem „afrikanischen Ausbreitungstyp“ gefaselt (Höcke). Man reibt sich die Ohren.
Vielleicht ist es ja hilfreich, in einer solchen Situation die Generation zu befragen, die selbst erlebt hat, was bei solchem Denken am Ende herauskommt.
Deshalb haben wir hier bei uns auf dem Lande ein oral-history-Projekt begonnen, ein Projekt der „mündlichen Geschichtsschreibung“. Ich führe Interviews von etwa jeweils einer Stunde, manchmal auch mehr und dokumentiere diese Gespräche auf CD. Ein Exemplar bekommt der Gesprächspartner, ein Exemplar landet im Pfarrarchiv. Ein Ausschnitt des jeweiligen Gesprächs wird veröffentlicht.
Ich spreche vor allem mit der Generation der Kriegskinder. Derjenigen Menschen also, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Kinder oder noch Jugendliche waren. Männer, die im Alter von 16 Jahren zusammen mit dem Volkssturm noch das „Vaterland retten“ sollten und dann in kurzen Hosen über lange Kilometer am Ende des Krieges wieder nach Hause in ihr Heimatdorf liefen.
Der Zweite Weltkrieg ist (neben anderen Ursachen) eben auch ein Ergebnis völkischen Denkens. Und deshalb ist es nicht unwichtig, von denen zu hören, die als Zeitzeugen berichten können, wie man ihnen, da waren sie noch Kinder, die Pistole an die Schläfe gehalten hat. Oder wie sie die vielen vielen toten Soldaten in den Straßengräben gesehen haben. Oder wie sie auf der Flucht gesehen haben, wie ganze Familien bei der Flucht übers Stettiner Haff einfach im Eis einbrachen und in den Fluten versanken.
Ich füge hier nun ein paar kurze Beispiele solcher Interviews ein. Mehr davon kommt nach und nach auf unserem Audioboom-Kanal. Man kann ihn abonnieren, wenn man möchte. Da die Interviews ohne großen technischen Aufwand aufgezeichnet wurden, empfiehlt sich beim Anhören die Verwendung eines Kopfhörers.

Noch leben diese Zeitzeugen. Noch kann man sie befragen.
Wir versuchen mit unserem Projekt, ihr Wissen aufzubewahren.
Damit nicht eine geschichtslose Generation wieder mit etwas beginnt, an dessen Ende nur Not und Elend stehen.
Den Versuch ist es wert.
Ich will mich bei der Gelegenheit bei all meinen Gesprächspartner bedanken, die uns ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung zur Verfügung stellen.

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Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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