Klimawandel konkret: Uckermark


Wenn mir die alteingesessenen Einwohner sagen, „So etwas haben wir noch nicht erlebt!“ dann ist es etwas Besonderes. Gleich hinter dem alten Pfarrhaus fließt der Bach, man nennt ihn den „Köhntopp“. Der ist jetzt im September völlig ausgetrocknet. Nichts mehr. Gar nichts.
Und vom Tollensesee ist in der Zeitung zu lesen, dass der Wasserspiegel um mindestens 25 Zentimeter gefallen ist, was den Ausflugsdampfern mittlerweile zu schaffen macht.
Die Zeitung warnt heute auch vor starkem Wind, der zu „Staubstürmen“ führen kann. Wir hatten im Jahre 2011 bei Rostock schon einen verheerenden Unfall aus diesen Gründen. Das Stichwort heißt Erosion.
Einige Bauern haben die Herbstbestellung ihrer Felder eingestellt, weil sie selbst mit schwerstem Gerät nicht mehr in die Erde kommen, so tief ist sie ausgetrocknet und hart wie Beton.

Das alles sind Hinweise darauf, was uns Klimafolgenforscher in Potsdam seit längerem sagen: das Klima ändert sich bereits und zwar dergestalt, dass in Ostdeutschland Dürre droht. Insbesondere in der Uckermark.

Man muss jetzt handeln.
Die Landesregierungen brauchen einen Plan, nach dem sie vorgehen wollen. Denn es wartet eine Menge Arbeit. Einen solchen Plan gibt es bislang nicht.
Rückhaltebecken müssen angelegt, Zisternen gebaut, neue Hecken und Windschutzstreifen gepflanzt werden.
Man muss sich jetzt mit den Wasserzweckverbänden zusammensetzen und konkret besprechen, wie man sich auf den Rückgang des Wassers in den Sommer- und Herbstmonaten einstellen will. Da wird man eine Menge Sachverstand organisieren müssen.  Und Geld für Investitionen. Handlungsbedarf für Umwelt-, Infrastruktur- und Landwirtschaftsministerien.

Die Landwirte selbst werden andere Anbaumethoden brauchen, klimaverträglichere. Andere Pflanzen inbegriffen, die Trockenheit besser vertragen als die üblichen Mais- und Rapsschläge.
Man wird auch andere Bewässerungsmethoden benötigen, sofern man überhaupt Grundwasser zur Verfügung hat. Wer im Nordwesten der Uckermark lebt, weiß, dass der Zugang zu einem eigenen Brunnen überhaupt nicht selbstverständlich ist.

Wir als Kirchgemeinde haben begonnen, neue Windschutzstreifen und Hecken anzulegen. Das Projekt zieht mittlerweile Kreise, die Kommune hat das Problem der Erosion erkannt und will ihren Beitrag leisten, Gespräche mit Vertretern der Landesregierung zeigen, auch hier kommt das Thema „Klimawandel in Brandenburg“ allmählich an.

Aber: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen jetzt in Vorsorge investieren, denn im Moment geben die Haushalte noch gewisse Spielräume her, diese Investitionen  vorzunehmen.

Wer hofft, die Lage könnte sich wieder verbessern und trockene Jahre habe es „früher auch schon gegeben“, der irrt.
Denn mit dem Klimawandel hat ein Prozess begonnen, dessen Beginn wir grad erleben und dessen „Ende“ so lange nicht erreicht ist, wie die Emissionen steigen. Und sie steigen. Nach wie vor. Die Situation wird also nicht besser werden, eher im Gegenteil, darauf deuten alle Modellrechnungen hin, die am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung vorliegen.

Jetzt müssen sich Landesregierung und Wasserzweckverbände zusammensetzen.
Jetzt müssen Landwirte und Ministerien gemeinsam überlegen, wie es weitergehen kann.
Jetzt muss investiert werden.
Die Zeit läuft.

 

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Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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