An meine älteren Landsleute


Das ist ist wirtschaftlicher Unsinn. Denn dieser Acker verliert an Wert. Jahr für Jahr. Weil Hecken fehlen.

Das ist ist wirtschaftlicher Unsinn. Denn dieser Acker verliert an Wert. Jahr für Jahr. Weil Hecken fehlen.

Liebe Nachbarn,
wenn Sie zwischen 50 und 70 Jahren alt sind – haben Sie sich schon einmal in Ruhe gefragt, was für eine Welt Sie Ihren Kindern und Enkeln hinterlassen möchten?
Was wollen Sie weitergeben an die nächste Generation?
Ein Haus vielleicht?
Vielleicht auch eine kleine Erbschaft? Ein gebrauchtes Auto?
Sie werden sagen: Materielles ist nicht wichtig. Denn Materielles ist sehr flüchtig. Die kleine Erbschaft ist schnell aufgebraucht, das Auto bald was für den Schrotthändler.
Wichtiger sind eine gute Erziehung und eine gute Ausbildung. Damit hab ich für meine Kinder und Enkel getan, was mir möglich war.

Schauen wir uns um in der Welt.
Wir sehen eine Welt, die überfordert ist. Unsere Lebensgrundlagen sind in einer Weise gefährdet wie wohl noch nie in all den Jahrhunderten vor uns.
Wir sehen ausgeräumte Landschaften, sehen ausgelaugte Böden, sehen die Meere voller Plastik, sehen die auf Jahrtausende hin strahlenden Reste einer verfehlten Energiepolitik.
Wir erleben gerade den Beginn der wohl stärksten Veränderung des Klimas – und die Folgen werden enorm sein.
Wissenschaftler sagen uns: eine so hohe Konzentration von Kohlendioxid in der Luft hat es noch nie gegeben, seit Menschen auf der Welt leben.
Ist es das, was wir vererben wollen?
Sollen unsere Kinder und vor allem unsere Enkel in einer Welt aufwachsen, in denen Dürren, Hochwässer, immer stärker werdende Naturkatastrophen Millionen von Menschen in die Flucht treiben werden? (Die UN rechnet mit bis zu 250 Millionen Menschen schon in den nächsten 15 Jahren, die aus Umweltgründen ihre Häuser, ihre Dörfer und Siedlungen verlassen müssen.)
Ist es das, was wir vererben wollen?

In unseren alten Schriften heißt es, der Mensch sei auf der Erde, um sie zu pflegen und zu bewahren.
Haben wir das vergessen? Haben wir vergessen, was uns unsere Vorfahren aufgeschrieben haben? Und haben wir deshalb jetzt mit den katastrophalen Folgen dieser Vergesslichkeit zu tun?

Die Erde gehört uns nicht. Wir sind nur Durchreisende. Wir sind nur ein paar wenige Lebensjahre hier. Wir sind Gäste. Jeder, der „in die Jahre gekommen ist“, weiß das.
Aber haben wir uns auch wie Gäste benommen?

Nie gab es eine reichere Rentnergeneration als die jetzige. Über fünf Billionen Euro haben allein die Deutschen auf ihren Konten. Ich weiß wohl, dass das Vermögen sehr ungleich verteilt ist: Einige Wenige haben sehr viel, viele andere haben wenig. Dennoch: nie waren die Deutschen reicher als jetzt. Alle, die nach uns kommen, werden weniger haben.
Wir haben es nicht hinbekommen, für mehr Gerechtigkeit zu sorgen. Wir sehen ja, dass es uns nicht gelungen ist.
Vor allem haben wir es nicht hinbekommen, dass die Jüngeren mit guten Chancen starten können. Denn wir haben verzehrt, was uns eigentlich nicht gehört.
Wir haben das Erbe aufgebraucht.
Was also wollen wir den Kommenden hinterlassen?

Wenn ich durch die schönen Landschaften der Uckermark gehe, fällt mir sofort ins Auge, was für eine Welt wir hinterlassen: die Dörfer werden immer leerer, weil es keine Arbeit mehr gibt, wie sie über Jahrhunderte selbstverständlich war. Das Handwerk ist ausgestorben, Läden sind geschlossen, Schulen auch. Wir sehen in den Ackerbaugebieten ausgeräumte Landschaften, Äcker, die bis unmittelbar an den Straßengraben gepflügt sind. Noch aus dem letzten Zentimeter Erde holen wir das Letzte heraus für kurzfristigen Gewinn.
Das soll unser Erbe sein?
Ich finde das sehr unbefriedigend, ja, beschämend.
So ein Erbe würde ich ausschlagen, wenn es denn ginge. Aber unsere Kinder und Enkel können das nicht. Sie müssen mit dem leben, was wir ihnen hinterlassen.

Wir müssen uns wohl eingestehen, dass wir viel zu wenig für den Schutz unserer Lebensgrundlagen getan haben. Es war uns egal, was nach uns kommt. Es war uns egal, was mit dem Klima wird. Es war uns egal, was ob es künftig noch genügend sauberes Wasser geben wird.
Es war uns alles egal.
Die eigene Karriere, das eigene Einkommen, der eigene materieller Wohlstand waren uns wichtiger. Und vor allem: der schöne Urlaub, die weite Reise.
Ist es diese Lebenseinstellung, die die Jüngeren von uns gelernt haben?
Ist das unser Erbe?

Ich will das nicht glauben.
Denn ich weiß ja auch, dass es auch in unserer Generation viele Menschen gab und gibt, die anders denken. Menschen, die wissen, dass sie nur Gäste sind. Menschen, die wissen, was unser eigentlicher Auftrag ist: diese Erde zu pflegen und zu bewahren und die auch entsprechend gehandelt haben und handeln.

Auf diese Menschen, auf Sie setze ich meine Hoffnung.
Dass wir vielleicht doch noch etwas hinbekommen. Damit wir vielleicht doch noch – wenigstens in Ansätzen, wenigstens in kleinen Bereichen, ein Erbe aufbauen, das wir wirklich mit einem guten Gewissen weitergeben können.

Es gibt in unseren uralten Kulturlandschaften noch Reste, die von einem anderen Denken Zeugnis geben.
Frühere Generationen, die noch sehr viel stärker vom Ertrag ihrer eigenen Böden leben mussten als wir, die wir die Vorteile des Welthandels nutzen konnten – frühere Generationen haben genau gewusst: wer sich nicht um den Erdboden kümmert, um jenen kostbaren halben Meter Acker, von dem wir alle leben – der schädigt nicht nur sich, sondern vor allem seine Kinder und Enkel, der nimmt ihnen die Lebensgrundlage.
Deshalb haben unsere Vorfahren ihre Felder und Äcker geschützt.
Sie haben sie geschützt vor Austrocknung, sie haben sie geschützt vor Erosion, sie haben sie eingehegt. In einigen Gegenden Deutschlands sogar auf regierungsamtliche Anweisung. Die berühmten Knicks in Norddeutschland sind so entstanden.

Wir wollen uns deshalb wieder erinnern, dass wir nur Gäste sind auf dieser Erde.
Wir wollen deshalb die kärglichen Reste der Einhegung von Land und Boden wieder herstellen.
Stück um Stück, Meter um Meter, Abschnitt um Abschnitt.

In einer der ausgeräumtesten Acker-Landschaften Deutschlands wollen wir unseren Beitrag leisten für Klimaschutz, für den Schutz der Böden, für Artenvielfalt.
Denn man weiß ja längst: nur Vielfalt gibt Stabilität. So ist es in der Natur eingerichtet.

Deshalb haben wir das Hecken-Projekt gestartet.
Wir beginnen mit eigenem Land.
Wir beginnen mit den ersten Metern.
Das Ziel ist: das viele Kilometer neuer Einhegungen entstehen.
Denn viele tausend Kilometer an ehemals vorhandenen Einhegungen sind verloren gegangen.
Es gibt also sehr viel Arbeit. (Das müsste auch die Bundesagentur für Arbeit interessieren, aber das nur am Rande.)

Diese Einhegungen sind im Grunde Wälder.
In schmalen Streifen von 5 Metern gepflanzte Waldstreifen aus einheimischen Gehölzen.
Die ältesten solcher Wald-Streifen sind über 800 Jahre alt. Man findet sie noch in Resten in Süddeutschland.
Vielleicht – das ist meine Hoffnung – findet man in unseren ausgeräumten Landschaften dereinst – in 800 Jahren vielleicht? – wieder, was Land und Boden, was Atmosphäre und Wasser schützt.
Wir müssen Vorsorge treffen.
Jetzt.
Damit unsere Kinder und Enkel sehen und verstehen können, dass wir nicht nur an uns, sondern an sie gedacht haben.

Also, meine lieben älteren Landsleute, denken Sie in aller Ruhe über diese Dinge nach.
Und wenn Sie mir zustimmen können, dann freut mich das.
Und wenn Sie nach Ihrem Nachdenken eine Möglichkeit suchen, sich zu beteiligen an dieser großen Aufgabe, dann können Sie sich hier beteiligen.
Finanziell, durch Weitersagen, dadurch, dass Sie in der Gegend, in der Sie zu Hause sind, Ähnliches beginnen.  Wenn Sie Land haben, umso besser. Beginnen Sie einfach.
Wenn das Land verpachtet ist – sprechen Sie mit den Pächtern. Sie werden auch Aufgeschlossenheit finden.
Wenn Sie kein Land haben oder verwalten, sondern in der Stadt leben, sich aber dennoch beteiligen möchten, nutzen Sie die Möglichkeiten des Internets.
Erzählen Sie von unserem Projekt weiter, laden Sie andere dazu ein, beteiligen Sie sich selbst daran.

Danke für Ihre Unterstützung!

Ulrich Kasparick, Pastor in Uckerland

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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