wie Pegida christliche Lieder missbraucht


Im Umkreis von Pegida, Legida und wie sie alle heißen kursiert schon seit längerem das Lied aus dem Evangelischen Gesangbuch Nr. 145: „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“.
Die Gründe für einen politischen Missbrauch dieses Kirchenliedes liegen auf der Hand: dieses Lied eignet sich scheinbar für jemanden, der lieber gern rufen würde „Deutschland erwache!“ . Das ist aber zu riskant. Deshalb greift man lieber zu einem Choral, in dem es heißt: „Wach auf, wach auf, du deutsches Land“. Schon aus Ermangelung eigener Lieder greift man zu diesem Kniff.
Wer sich bei youtube einmal umschaut, wird sehr schnell fündig: Deutschlandfahnen, Fahnen des Deutschen Reiches ebenso. Sogar Martin Luther wird in Pflicht genommen. Man sieht ihn vor dem Reichstag in Worms stehen. Da steht er wieder, der „deutsche Luther“, so wie er schon mal stand, als die Deutschen Christen den Reformator für sich missbrauchten.
All das verquast Nationale kommt daher und versammelt sich unter einem Lied, dessen Anliegen es war, die Menschen zum christlichen Glauben zu rufen.

Wir diskutieren in diesen Tagen (Januar 2015) den Missbrauch des Religiösen. Sowohl im Islam als auch anderswo.
Missbrauch von religiösem Liedgut ist es, wenn dieser Choral dazu benutzt wird, gegen Fremde Stimmung zu machen und dem „deutsch-nationalen“ Ausdruck zu geben.
Selbstverständlich hat auch dieses Lied einen historischen Kontext.
Es ist entstanden in einer Zeit, in der der Nationalstaat am Werden war.
Gern werden von der neuen Rechten Texte aus dieser Zeit benutzt, um das heutige, reaktionäre nationale Denken zu unterstützen.
Das ist a-historisch und reaktionär, rückwärtsgewandt.

In einem immer enger zusammenwachsenden Europa haben die Nationalstaaten immer weniger Sinn. Denn es ist – nach den Erfahrungen des Ersten und des Zweiten Weltkrieges ja gerade der Sinn des europäischen Einigungsprozesses, die Konflikte, die u.a. aus der Nationalstaatlichkeit erwuchsen, dauerhaft zu überwinden. So etwas wie diese beiden Kriege soll sich nie wiederholen können.

Im übrigen steht im Zentrum des Chorals der Ruf zum christlichen Glauben:
„Christus ist allein der Mann…..“ steht da zu lesen.
Von Lutz Bachmann & Co kann man eben nichts finden.

Und das ist auch gut so.

Und hier der Text
Der Thüringer Johann Walter (1496-1570), Hofkomponist Friedrichs des Weisen und Mitarbeiter Luthers, hat das Lied geschrieben.

1. Wach auf, wach auf, du deutsches Land!
Du hast genug geschlafen,
bedenk, was Gott an dich gewandt,
wozu er dich erschaffen.
Bedenk, was Gott dir hat gesandt
und dir vertraut sein höchstes Pfand,
drum magst du wohl aufwachen.

2. Gott hat dich, Deutschland, hoch geehrt
mit seinem Wort der Gnaden,
ein großes Licht dir auch beschert
und hat dich lassen laden
zu seinem Reich, welchs ewig ist,
dazu du denn geladen bist,
will heilen deinen Schaden.

3. Gott hat dir Christum, seinen Sohn,
die Wahrheit und das Leben,
sein liebes Evangelium
aus lauter Gnad gegeben;
denn Christus ist allein der Mann,
der für der Welt Sünd gnug getan,
kein Werk hilft sonst daneben.

4. Für solche Gnad und Güte groß
sollst du Gott billig danken,
nicht laufen aus seim Gnadenschoß,
von seinem Wort nicht wanken,
dich halten, wie sein Wort dich lehrt,
dadurch wird Gottes Reich gemehrt,
geholfen auch den Kranken.

5. Du solltest bringen gute Frucht,
so du recht gläubig wärest,
in Lieb und Treu, in Scham und Zucht,
wie du solchs selbst begehrest,
in Gottes Furcht dich halten fein
und suchen Gottes Ehr allein,
daß du niemand beschwerest.

6. Die Wahrheit wird jetzt unterdrückt,
will niemand Wahrheit hören;
die Lüge wird gar fein geschmückt,
man hilft ihr oft mit Schwören;
dadurch wird Gottes Wort veracht’,
die Wahrheit höhnisch auch verlacht,
die Lüge tut man ehren.

7. Wach auf, Deutschland, ‘s ist hohe Zeit,
du wirst sonst übereilet,
die Straf dir auf dem Halse leit,
ob sich’s gleich jetzt verweilet.
Fürwahr, die Axt ist angesetzt
und auch zum Hieb sehr scharf gewetzt,
was gilt’s, ob sie dein fehlet.

8. Gott warnet täglich für und für,
das zeugen seine Zeichen,
denn Gottes Straf ist vor der Tür;
Deutschland, laß dich erweichen,
tu rechte Buße in der Zeit,
weil Gott dir noch sein Gnad anbeut
und tut sein Hand dir reichen.

9. Das helfe Gott uns allen gleich,
daß wir von Sünden lassen,
und führe uns zu seinem Reich,
daß wir das Unrecht hassen.
Herr Jesu Christe, hilf uns nu’
und gib uns deinen Geist dazu,
daß wir dein Warnung fassen.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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