Wenn ein Kriegskind erzählt


Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. (Paul Gerhardt)

Der Wolken, Luft und Winden gibt Wege, Lauf und Bahn, der wird auch Wege finden, da dein Fuß gehen kann. (Paul Gerhardt)

Heute wurde mir der folgende Text überreicht. Mit Einwilligung der Autorin veröffentliche ich ihn hier. Sie möchte auch, dass er in unserem Magazin „Christophorus“ veröffentlicht wird:

„Eine sehr persönliche Geschichte

Ich bin getauft worden! Das weiß ich erst seit kurzer Zeit, in alten Familienunterlagen, die ich sozusagen erbte, habe ich meine Taufbescheinigung gefunden. Jetzt, nach Jahrzehnten. Bei uns zu Hause war Kirche und Gott kein Thema. Ich bin bei meinen Großeltern aufgewachsen und meine Oma sagte immer, sie glaube nur noch, dass „ein kg Knochen eine gute Brühe ergibt“.
Bittere Erfahrungen durch zwei Weltkriege und das Erleben ihrer Vorfahren, die wegen ihres Glaubens verfolgt wurden?
Meine Großmutter stammte aus einer Hugenottenfamilie. Trotzdem, sie haben mich taufen lassen. Und ich erinnere mich, dass ich Mittwochs oft zu den „Spielschwestern“ gebracht wurde. Die trugen Häubchen und verschenkten hübsche bunte Bildchen. Meine Fragen nach den Darstellungen „weshalb ist der Mann am Kreuz? Wieso schlägt der hier den Bruder tot? Weshalb wird gemalt, dass jemand die Händler aus der Kirche jagt?“ und ähnliches blieben zu Hause ohne Antworten. Ich liebte diese Bilder und sie haben schon früh den Grundstein für meine Begeisterung für die Malerei der alten Meister gelegt. Aber auch in den Gemäldegalerien bekam ich nie Erklärungen zu dem Dargestellten.
Dann das Leben; man trifft Entscheidungen, geht Wege. Oft ungern oder gegen seinen eigenen Willen, und hinterher stellt sich heraus, dass es richtig war, man aus Allem Lehren für den nächsten Schritt mitnimmt, auch aus Schlechtem. Was treibt oder lenkt einen denn da?
Kirchengebäude habe ich nur bei Urlaubsreisen betreten, wie Touristen eben. Betrachter. Manche Kirchen waren beeindruckend, andere eher zu pompös und abstoßend.
Als ich unsere kleine Kirche kennen lernte, war das anders. In diesem Haus überkommt mich immer wieder schon nach wenigen Minuten eine innere Ruhe, ein gutes Gefühl.
Zaghaft habe ich die Nähe zur Gemeinde gesucht.
Veranstaltungen, Gemeindenachmittage, Weihnachtsfeiern, Weihnachtsgottesdienste.
Immer mit dem Gefühl „ja, kann man das denn machen?“
Am Sonntag hat unser Pastor in der Predigt sinngemäß gesagt, dass in einem Apostelbrief geschrieben steht, jeder kann in das Haus, in die Wohnung Gottes kommen.
Wer kommt, gehört dazu. Das ist schön.
Ich weiß jetzt, dass dort schon immer ein Eckchen für mich da war, denn ich habe meine Taufbescheinigung gefunden! Ein schönes Gefühl.“

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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