Was der Garten sagt


Ein Klostergarten ist abgeschlossen. Unzugänglich. Umgeben von einer hohen Mauer oder einer undurchdringlichen Hecke. Wie aber lässt sich ein Garten gestalten, der sich zwar in der Tradition der Klostergärten versteht, aber ihre Botschaft für das neue Jahrtausend zu sagen versucht?
Der Internet-Garten in Uckerland (Nordwestbrandenburg) versucht es so:
Er ist ein offener Garten. Denn die modernen Gesellschaften sind dialogische Gesellschaften. Offenheit ist Kennzeichen eines guten Gesprächs, eines gelingenden Dialogs.
Da die Rose das zentrale Symbol in diesem Garten ist, wird in ihm die religiös-spirituelle Bedeutung der Rose in der abendländischen Tradition konkret sichtbar und erfahrbar.
Eine Rose ist eben mehr als eine Rose. Sie ist Hinweis auf eine über zweitausendjährige Geschichte, in der die Rose zu einem zentralen religiösen Symbol geworden ist.
Wer sich eingehender mit der Rose beschäftigt, findet bald heraus, dass eine Rose ohne internationale Zusammenarbeit kaum noch vorstellbar ist. Rosenzucht ist immer schon eine internationale Angelegenheit gewesen, die von der Begegnung der Kulturen gelebt hat.
Die Einkreuzung chinesischer Rosen beispielsweise hat dazu geführt, dass unsere Rosen nun nicht mehr einmal im Jahr, sondern öfter blühen. Ein wunderbarer Hinweis auf die Kraft der Kooperation. Vielleicht ist ja gerade diese Botschaft des Gartens eine der wichtigsten Botschaften überhaupt in einer Zeit, die von zunehmenden Spannungen und Konfrontation geprägt zu sein scheint. Der Garten selbst, der ausschließlich aus Stiftungen und Spenden besteht, ist ein Hinweis auf diese Kraft der Kooperation.
Im Zentrum des Gartens liegt der Platz der Stille.
Er ist von einer spiralförmig gepflanzten Buchenhecke eingefasst, der Botschaft ist: „Der Weg führt nach innen“.
Gerade in unserer Zeit, die von zunehmender Hektik, sich überstürzenden Informationen, täglich neuen Schlag-Zeilen geprägt ist, ist diese Botschaft heilsam.
In der Stille, die man im Garten praktizieren und üben kann, liegt eine große Kraft, liegt die Chance zu größerer Klarheit, liegt die Chance zur Be-Sinnung.
Der Platz der Stille hat in seinem Zentrum einen Baum. Uraltes Symbol der Verbindung zwischen Himmel und Erde. Auf diese Verbindung kommt es an. Abstand und Engagement, wache Wahrnehmung der Welt und Wissen um größere Zusammenhänge. Beides. In früheren Jahrhunderten hatte man für diesen wichtigen Zusammenhang die Formel „ora et labora“ (bete und arbeite) gefunden.
Postkarte Berhard von ClairvauxGleich neben dem Baum – der ja auch ein Hinweis auf den Baum im Paradies-Garten ist, dem „Baum der Erkenntnis“ – der Brunnen.
Er ist ein Brunnen, den man auch in einem asiatischen Garten finden könnte.
Eine Schale, Natursteine, ein einfaches Bambus-Rohr.
Wieder ein Hinweis auf die Verbindung zwischen Orient und Okzident. Die Rede von der „Einen Welt“. Sichtbar. Im Zentrum der Anlage.
Der Brunnen interpretiert ein Zitat von Bernhard von Clairvaux (1090-1153) und macht es sichtbar. „Burnout-Prophylaxe“ würde man heute vielleicht dazu sagen: gib nicht mehr, als du hast. Achte darauf, dass deine „Schale“ immer gut gefüllt ist.
Und trink von dem Wasser des Lebens.
Von dort kommt alles, was dich am Leben erhält.
Wer an diesem zentralen Platz der Stille sitzt, auf den Atem achtet, auf die Welt, die ihn umgibt und die ihn trägt, der lernt, Dankbarkeit zu empfinden.
Dankbarkeit ist die Schwester der Liebe.
Und die Liebe ist stärker als der Tod.
Davon spricht der Garten.
Lassen Sie sich einladen, ihn zu besuchen. Nicht nur als schneller Tourist, der wissen will, wie viele Rosen denn schon im Garten stehen (über 120 Stiftungen sind es….), sondern der bereit ist, zu hören und zu lernen.
Welcome!

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
Dieser Beitrag wurde unter Garten-Tagebuch, Meditationen abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s