Etwas vom Zelten in Uckerland


Bernstein 30.5.2012Was für ein großartiges Bild! Was für eine Schau! Marc Chagall hat es oft gemalt, auch in seinem künstlerischen Testament, in den Glasfenstern von St. Stephan in Mainz (vollendet in seinem 98. Lebensjahr!) ist es zu finden, dieses grandiose Bild vom Neuanfang nach der Zerstörung allen Lebens:
„Und ich sah einen neuen Himmel und eine neue Erde; denn der erste Himmel und die erste Erde verging, und das Meer ist nicht mehr.  Und ich sah die heilige Stadt, das neue Jerusalem, aus dem Himmel herabfahren, bereitet als eine geschmückte Braut ihrem Mann. Und ich hörte eine große Stimme, die sprach: Siehe da, das Zelt Gottes bei den Menschen! Und er wird bei ihnen wohnen, und sie werden sein Volk sein, und er selbst, Gott mit ihnen, wird ihr Gott sein;  und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein; denn das Erste ist vergangen.“ (Offenbarung des Johannes, Kapitel 21)
Wenn wir in der nicht gerade reichen Gemeinde in Uckerland Reformationsfest feiern, dann erinnern wir uns an dieses alte Wegzeichen des wandernden Volkes: das Zelt.
Wir verstehen hier nicht viel von glanzvollen Palästen. Wir verstehen nicht viel von Prunk und Zutat.
Wir verstehen mehr vom Zelten. Vom Provisorischen, Flüchtigen. Davon, dass man „keine bleibende Statt“ hat, sondern eben nur ein Zelt.
Johannes XXIII, jener volkstümliche Papst, hat es auf den Punkt gebracht: „Wir sind nicht auf der Erde, um ein Museum zu hüten, sondern um einen Garten zu pflegen, der von blühendem Leben strotzt.“
Das Zelt. Der Garten.
Flüchtig. Nicht fest. Vergänglich. Aber blühend, jederzeit zum Aufbruch bereit.
Weitergehen. Das ist der Ruf.
Das Zelt abbauen und an einem anderen Ort wieder neu aufschlagen.
Einen neuen Garten anlegen. Als Hinweis.
Neue Wege gehen.
Das ist Reformation in Uckerland.
Würden wir uns lediglich als Museumshüter verstehen, wir könnten verzagen, so groß sind die Aufgaben, allein die alten Gebäude zu erhalten.
Aber wir sind keine Museumswächter.
Wir sind eher Gärtner.
Wir können pflanzen, aber das Wachsen liegt nicht in unserer Hand.
Wir können gießen, was wächst. Aber das Gedeihen können wir nicht geben.
Reformation in Uckerland, das bedeutet: wir feiern dieses Fest in einer unserer baufälligsten Kirchen. 1585 wurde sie errichtet. Sie ist in keinem guten Zustand.
Aber gerade deshalb ist sie wunderbar dafür geeignet, „Reformation“ zu erklären:
Nicht aus dem perfekten Werk, nicht aus der Tüchtigkeit, nicht aus vollkommenem Prunk erwächst das, was das Alte Testament mit „Segen“ bezeichnet, also, gelingendes Leben. Sondern es erwächst aus Vertrauen in den, der das Leben selbst ist.
„Geht los. Alles andere braucht nicht eure Sorge sein.“
So „klingt“ Reformation in Uckerland.
Und wir werden singen: „Wenn das Brot, das wir teilen, als Rose blüht und das Wort, das wir sprechen, als Lied erklingt, dann hat Gott unter uns schon sein Haus gebaut…..“
Für uns sind deshalb „Zelt“ und „Garten“ und „Lied“ die passenden Vokabeln.
In einer Region, die wie kaum eine andere in Deutschland, vielleicht gar in Europa, zum Neuanfang gezwungen ist, sind das ermutigende Hinweise.

Werbeanzeigen

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
Dieser Beitrag wurde unter über uns, Begegnung mit Texten abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s