Wahrnehmen, was ist. Etwas aus Uckerland


??????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????????Achtsamkeit üben ist eine wichtige Übung. Nimm wahr, was ist.
Am Mittwoch war Übergabe einer Spende von zunächst 9.000 Euro (die sich gut und gern noch auf 15.000 erhöhen kann) für den letzten Bauabschnitt am Dach in Nechlin (am Berlin-Usedom-Radweg). Ärzte und Apotheker in Hessen hatten für uns gesammelt. Im Herbst kommen sie uns besuchen. Die Zeitung hat berichtet von dieser Spende. Die Menschen in den anderen Dörfern sprechen mich darauf an.
Am Freitag dann unser sechstes Konzert in der Reihe „Uckerland klingt“ in Milow. Volles Haus. Die Klezmerschicksen aus Berlin sind zu Gast. Es ist ein leichtes, fröhliches, sommerliches Konzert. Sogar getanzt wird in der alten Kirche, in der wir wieder das Baugerüst stehen haben: der zweite Abschnitt der wertvollen Fresken wird freigelegt. Vielen ist wichtig geworden, was auch an diesem Abend wieder deutlich wurde: es gibt so etwas wie eine gelassene, fröhliche Frömmigkeit, die einen tanzen lässt mitten in schwierigem Umfeld. „Wenn der Rebbe tanzt“ – ja, warum denn nicht auch in einer alten Kirche? So haben wir es getan miteinander und es war gut so. Abends Geburtstag bei einer 86-jährigen Dame, die sich in Wilsickow sehr um den Erhalt der alten Marien-Kirche kümmert und verdient gemacht hat. Mit Musik-Einlage.
Der Samstag hat ein Dorffest in Brietzig (das liegt schon in Mecklenburg-Vorpommern, gehört aber zur Gemeinde) vorgesehen: wir steuern ein Konzert zum Dorffest bei. Das Brandenburgische Konzertorchester aus Eberswalde hat zugesagt. Die Kirche in Brietzig ist rappelvoll. Angenehm kühl zudem, draußen ist es brüllend heiß. Seit zehn Jahren hat hier kein Konzert mehr stattgefunden. Jetzt sind 100 Menschen gekommen. Der Ort hat 180 Einwohner….Menschen fragen mich, ob sie denn auch klatschen dürften. Na klar, dürfen sie. Und sie tun es kräftig. Es gibt Zugaben, es gibt feuchte Augen, die Musik erreicht die Menschen. „Dat war jut“ meint einer der wichtigen Organisatoren des Dorffestes beim Verabschieden hinterher zu mir. „Darauf kann man aufbauen. Nächstet Jahr jerne wieder“. In Brietzig kümmern sich die Menschen im Dorf sehr um die Uhr in der alten Kirche. Sie schlägt nun wieder. Ehrenamtliche klettern täglich in den Turm, um die alte mechanische Uhr aufzuziehen. Hier wollen wir ein elektrisches Schlagwerk einbauen, aber vorher müssen wir noch etwas am Traggebälk tun, das ist nicht mehr so stabil, wie es sein müsste.
Wenn ich die Menschen in den Dörfern frage, wer denn da alles so gewesen sei in den Konzerten, dann höre ich sehr oft: „sehr viele sind gar nicht in der Kirche. Aber sie empfinden ihre Kirchen als den Mittelpunkt ihres Ortes. Sie kommen, wenn die Zeit dafür richtig ist und wenn sie merken, dass sie gesehen werden“. Genau so war es.
Die Kirchen waren rappelvoll. Und die Menschen hörten zu. Und bedankten sich hinterher.
Ich nehme viele Menschen wahr, die etwas tun für ihren Ort, Menschen, die sich kümmern. Allesamt Ehrenamtliche.
Ich kann sie nur unterstützen. Ich kann nur „gießen, was wächst“.
Da wächst sehr viel. Wir haben zunehmend Anmeldungen zu Hochzeiten, wir haben Taufen, wir haben neu die Uckerland-Akademie, die sich gezielt an „kulturell Interessierte“ wendet. „Eine Kirchenmitgliedschaft ist nicht erforderlich“ steht auf den Plakaten.
Und sie kommen. Sind interessiert. Fragen nach. Lesen. Wollen mehr wissen.
Es gibt da ein großes Interesse in einer Bevölkerung, die mittlerweile in der dritten Generation entkirchlicht ist. 40 Jahre Sozialismus zeigen ihre Folgen. „Da“ ging „man“ früher „nicht hin“. Das ändert sich gerade.
Nimm wahr, was ist.
Sei achtsam. Sieh hin und sieh, dass da etwas wächst.
Das ist meine Aufgabe.
Ich kann die stärken, die sich auf den Weg machen. Ich kann die unterstützen, die nicht resigniert haben, die weiter gehen wollen.
Ich kann versuchen, Antworten zu finden mit denen gemeinsam, die Fragen stellen.
Wir können versuchen, nach dem Motto zu arbeiten „suchet der Stadt Bestes“. Tragt bei, was ihr beitragen könnt zum Wachstum der Orte, zum Wohlergehen der Kommune, zur Entwicklung eines naturnahen, einladenden Tourismus, zur Wirtschaftsförderung.
„Kirche ist bei den Menschen“. Der Satz ist mir wichtig.
Wir wollen bei denen sein, die hier leben in den Dörfern der nordwestlichen Uckermark.
Ich staune, was sich da alles tut, wenn ich sehr achtsam bin auf das, was da wachsen will und wächst.
Man könnte denken: was will den der eine Mitarbeiter in den zwanzig kleinen Dörfern, die weit auseinander liegen und in denen die Hälfte der Bevölkerung um die 70 ist, ausrichten?
Wenn er achtsam ist, dann sieht er schnell: er muss gar nichts „ausrichten“, denn er ist der eigentlich Beschenkte.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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