Etwas vom „Unkraut“


LöwenzahnDer Tag beginnt früh um fünf Uhr. Der Sonnenaufgang ist prächtig, grandios der Klang des Lebens draußen vor dem Haus. Der Tag kommt.
Ich beginne ihn, wie an jedem Tag, mit der Presseschau.
Dann nehme ich mir – vor dem Frühstück – eine Stunde für Gartenarbeit.
Gestern hatte ich Unterpflanzung für die Rosen gekauft, will mit Katzenminze experimentieren, sie ist mir von verschiedener Seite empfohlen worden. 10 Pflanzen – das ist etwas für die Beete am Haus, in die ich im vergangenen Jahr die schönen Kletterrosen gepflanzt hatte. Das Haus wird in den nächsten Jahren über und über berankt sein.
Wenn es so wird, wie ich mir das vorstelle.
Ich hatte mir also vorgestellt, diese neuen Pflanzen in die Beete zu bringen, merkte aber schnell, dass da weitaus mehr zu tun war: denn sie waren nun nach dem langen Winter schon ziemlich stark mit „Unkraut“ bewachsen. Also war das zunächst zu tun. Jäten.
Mit der kleinen Handschaufel habe ich mir Zeit gelassen, die einzelnen „Unkräuter“ Stück für Stück ausgegraben, die Erde abgeschüttelt, den Boden gereinigt, eine schöne, stille Arbeit. Der Boden ist fest nach dem Winter und doch gut bewohnt, ein gutes Zeichen. Eine Stunde Arbeit für fünf eher kleine, halbrunde, von kleinen Feldsteinen eingefasste Rosenbeete, in denen Kletterrosen stehen.
Die Nachtigall singt dazu. Die Gedankengeräusche im Kopf nach der Presseschau am Morgen klingen ab, verschwinden dann ganz. Ich bin ganz Ohr und ganz Hand.
Der Tag steigt.
Und diese „Unkräuter“ beginnen ihren Unterricht.
Denn nach einer Stunde stellt sich heraus: es gibt gar kein „Unkraut“.
Es gibt nur Pflanzen, die nicht an der Stelle wachsen, wo ich sie gern hätte – wenn es nach meinem Willen ginge. Das Leben geht aber nicht nach meinem Willen. Und das hat einen guten Sinn. Denn ich lerne mich als einen Teil eines sehr viel Größeren zu begreifen.
Eine interessante Lektion über den „freien Willen“, die Dinge „wie sie nun mal sind“ und die „Kultur“.
Die Natur um mich herum ist unglaublich stark. Ich kann es sehen und hören.
Es gibt einen interessanten Film, der der Frage nachgeht, wie lange die Natur wohl brauchen würde, sich die „Zivilisation“ zurück zu holen, wenn es keine menschlichen Eingriffe mehr gäbe. Nach etwa 50 Jahren hat sie das meiste zurück geholt. Sagen Biologen.
Sogar Stahlbeton-Häuser holt sie sich zurück. Sogar Stahl, sogar Plastik.
Plastik dauert am längsten.
Aber: am Ende gewinnt die Natur.
Gut, dass es nicht immer nach meinem Willen geht. Denn ich bin nur ein Teil eines sehr viel Größeren. Was für ein Übermut, wenn es immer nach meinem Willen ginge.
Nun haben wir uns auf einen kleinen Kompromiss verständigt, der Garten und ich.
Die Beete sind „sauber“, die neuen Pflanzen eingesetzt.
Nun werden wir sehen, ob der Garten die Pflanzen an dieser Stelle annimmt.

Gut, dass da „Unkraut“ gewachsen ist an einer Stelle, an der ich diese Pflanzen nicht haben wollte. 
Sonst hätte ich die Lektion nicht lernen können.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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