Die Uckerland-Akademie. Erste Erfahrungen


Begonnen hat es mit einer Einladung.
Man suchte in Strasburg (Uckermark) einen Referenten, der etwas zum „Islam“ zu sagen wüsste. Da ich vier Jahre lang an der Universität vergleichende Religionswissenschaft studiert habe und zudem mit etlichen Muslimen gut befreundet bin, sagte ich zu.
Die Resonanz war sehr ermutigend. Man wollte unbedingt weitermachen.
Also machten wir ein „Projekt“ daraus. Die „Uckerland-Akademie“ war geboren.
Das Projekt „Weltreligionen“ sollte Grundinformationen vermitteln in einer Gegend Deutschlands, in der die Bevölkerung zum größten Teil „säkular“, das heißt, keiner Kirche zugehörig ist. Zielgruppe: „Die Gebildeten unter ihren Verächtern“, um Schleiermacher zu zitieren.

Atheistenquote

Das ist die Ausgangslage: beinahe 70% der Bevölkerung Brandenburgs haben sich im Jahr 2002 als „atheistisch“ eingeordnet. In nicht wenigen Familien nun schon in der dritten Generation. Da es während der DDR-Zeit keinen Religionsunterricht gab – und der Konfirmandenunterricht war eher gelitten denn unterstützt – gibt es einen Traditionsabbruch. Viele Menschen wissen schlicht kaum noch etwas über die eigenen kulturellen Wurzeln.
Das also ist die „Zielgruppe“ der Uckerland-Akademie: Menschen, die nicht Mitglied in einer Kirche oder Religionsgemeinschaft sind, die aber dennoch kulturell interessiert sind.
Würde das gelingen? Vor allem: würde es auf dem Lande gelingen?

Methodisch habe ich „niedrigschwellig“ begonnen: mit Filmen, die Prof. Hans Küng für sein Projekt „Spurensuche. Die Weltreligionen auf dem Weg“ für den Westdeutschen Rundfunk aufgenommen hat.
Mittlerweile hat nun die vierte Veranstaltung stattgefunden.

Und die Resonanz ist sehr gut. Etwa 10 – 15% der Bevölkerung der jeweiligen Orte haben sich beteiligt. Überwiegend Menschen, die keiner Kirche angehören.

Die Uckerland-Akademie arbeitet mobil. Das bedeutet: ich fahre in die Dörfer. Und zwar in jene Orte, die über geeignete Räume verfügen. Räume, die Kommunikation zulassen: Flexibles Gestühl, veränderbare Tische, Kaffee, Kuchen, belegte Brote. Wir wollen Gespräch und Kommunikation. Deshalb ist die Akademie mobil. Man braucht nicht viel: einen Laptop, einen Beamer und eine kleine Anlage für den Klang.Es gibt eine kurze Einführung zum Projekt, eine kurze Hinführung zum Film selbst. Dann den Film.Und dann Gespräch und Austausch. Insgesamt etwa 2 Stunden nachmittags oder abends, je nach Verabredung.

Die Erfahrung nach vier Veranstaltungen: die Menschen sind sehr aufgeschlossen und interessiert. Sie wollen weiter machen. Nicht nur hat sie „Christentum“ interessiert, sondern sie wollen mehr erfahren über „Judentum“, „Islam“, „Buddhismus“ und „Naturreligionen“, wollen sich mit dem Phänomen des Religiösen insgesamt beschäftigen. Ich kann mir gut vorstellen, dass wir das Angebot später auch durch Berlin-Besuche ergänzen, denn alle Weltreligionen sind ja in Berlin vorhanden. Persönliche Begegnung mit Menschen, die sich als Muslime, Christen, Buddhisten verstehen. Das kann sehr spannend werden. Berlin liegt ja sozusagen „vor der Haustür“.

Manche Teilnehmer kamen sehr gut vorbereitet. Eine ehemalige Lehrerin hatte sich „sogar extra eine Bibel gekauft“, hatte sich bei 3sat vorab informiert, kam „präpariert“ „zum Seminar“. Wunderbar.
Und, wie sich zeigt, ergeben die anschließenden Gespräche Themen und Ideen für weitere Angebote: Kanonisierung, Riten, Interpretationsmöglichkeiten von Texten, Liedtraditionen etc. etc.
Ich bin sehr überrascht von der Wißbegierde der Menschen, die das Angebot annehmen. Und ich bin natürlich herausgefordert: nämlich in einer Sprache zu sprechen, die man verstehen kann. „Kirchenchinesisch“ verbietet sich. Ich merke, dass ich sehr auf die Worte achten muss, ermuntere zu Rückfragen, falls ich ein Wort verwende, das man nicht mehr kennt. Das macht Freude, fordert mich und bringt uns zusammen.
Ganz bestimmt werden wir uns Themenbereichen wie „Literatur und Religion“, „Kunst und Religion“ zuwenden. An Stoff ist also kein Mangel. Wenn noch mehr Erfahrungen vorliegen, werde ich wieder etwas dazu aufschreiben und erzählen von der „Uckerland-Akademie“.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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