Das Fest der armen Leute


Altar Wilsickow WeihnachtenDa ist dieses Bild. Drei Menschen sind zu sehen. Eine Frau. Ein Mann. Ein nacktes Kind.
Die Frau in rot gekleidet. Die Farbe der Erotik.
Der Mann im braunen Arbeitshemd. Irdisch. Erdfarben.
Das Kind: nackt.
Keine Krone.
Kein Glanz.
Kein Lametta.
Kein Supermarkt.
Nackt liegt es da.

Der Mann schaut zum Betrachter. Er sieht mich an.
Die Frau schaut zum Kreuz (das in der Mitte des Gesamtbildes dargestellt ist).
Das Kind ist nackt.
Die Menschen haben kein Zimmer.
Sie haben schon gar nicht ein Hotel.
Sie haben nur noch einen Stall.
Vorn im Hause wird gefeiert, da würden sie stören.
Deshalb sind sie nun im kalten Stall.
Und das Kind ganz nackt.

Mitten in der Not ist die Wirklichkeit, die wir „Gott“ nennen.
„Und Gott wurde Mensch“ sagen die alten Texte.
„Der Logos wurde Fleisch“ sagt ein anderer alter Text.
Irdisch gehts zu.
Arm.
Bedürftig.
Da ist kein Lametta.

Die Frau schaut zum Kreuz.
Sogar im Tod ist „Gott“.
Mitten in der Not.

„Wenn dein Bogen zerbrochen ist – dann schieß“ sagt man im ZEN.
„Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt“ singt Jochen Klepper.
„Wenn all deine Lebenspläne zerbrochen sind, wenn du „am Ende“ bist, wenn du selbst „nicht mehr weiter“ kannst, wenn du „im Stall“ gelandet bist, wenn du nur noch vertrauen kannst – dann erst kann das nackte Kind dich tragen.
Deshalb schaut die Frau zum Kreuz.
Das hat sie im Blick.
Den armen Leuten wird die gute Nachricht gesagt, dass Eu-Angelion (griechisch: gute Botschaft). Den einfachen Leuten. Den Hirten.

Es geht um eine sehr tiefe Erfahrung. Deshalb hat man sie weitererzählt durch die Jahrhunderte.
Im größten Elend, da wo das Kind nicht mal mehr ein Hemd hat, dort, wo man kein richtiges Dach mehr über dem Kopf hat, dort hinten, im Stall, da, wo du am Ende bist – da „wohnt Gott“.

Manchmal muss einem Menschen erst alles zerbrechen, damit er an diese Schwelle kommt. An die Schwelle zum Stall.
Erst dort geht er in die Knie.
Und lässt sich beschenken.
Von dem, der die Welt trägt.

(Das Bild ist ein Detail vom gotischen Marien-Altar in Wilsickow (Uckerland)).

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
Dieser Beitrag wurde unter Begegnung mit Texten, Meditationen, Tagesnotizen abgelegt und mit , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s