Pasters Auto…oder ein Kapitel über die ecclesia


unfall 09.12.12Selbstverständlich kommt der Pastor zu Besuch. Selbstverständlich veranstaltet er auch was „in unserem Dorf“.
Selbstverständlich kommt er mit dem Auto.
Er fährt, er holt ab, er schleppt die Instrumente selber ins Konzert, er kümmert sich.
Selbstverständlich.
Bis er im Graben liegt samt seiner Frau.
Also: Inne halten.
So geht’s ja nicht.

Der Bergedienst ist schnell da, zieht das Wägelchen aus dem Graben, wo er am tiefsten ist und bringt das Ganze irgendwohin, wo es abgestellt werden kann. Ist ja schließlich Sonntag. Morgen sehen wir weiter. Erst mal ist es gut, dass es „keine Personenschäden“ gegeben hat. Richtig. Wär ja noch schöner, wenn’s bei Pasters Arbeit zu „Personenschäden“ käme…..

Ist das eigentlich vorstellbar: eine große Landgemeinde mit 20 Dörfern ohne Pasters Auto?
Oh oh, das ist ein kühner Gedanke, denn die Gemeinden sind verwöhnt worden. Es gab gar mal einen Bus, der die Runde drehte, am Kredit dafür zahlt man heute noch….
„Wenn man was vom Paster will, muss man zu ihm“ so war das früher, als es noch keine Autos gab.
Praktikabel wärs für „Kasualien“, also Taufen, Hochzeiten, Beerdigungen. Da könnte er „geholt werden“, wenn er „gebraucht“ wird.
Auch sonntags?
Warum eigentlich nicht? Weshalb soll eigentlich sonntags immer etwas veranstaltet werden, nur weil’s immer so war?
Weshalb sollten nicht auch sonntags nur dann Gottesdienste stattfinden, wenn auch der Transport des Pasters geklärt ist – also „Bedarf“ besteht?
Zu kühn der Gedanke?
Weshalb? Nur der Gewohnheit wegen?

Schwieriger ist es bei Hausbesuchen. In diesem Falle wäre systematisches Arbeit dringend: ein oder zwei Tage die Woche, gezielt in den einzelnen Orten. Dann lohnt es, den Paster zum Besuchsdienst in den Ort zu holen. (plus Gesprächsgelegenheit beim Mittag in der Gaststätte versteht sich).

Die eigentliche Frage also ist: besteht überhaupt Bedarf?
Ist das erkennbar? Wäre man also auch bereit, das Transportproblem zu lösen?
Bislang erlebe ich es umgekehrt:
Man erwartet, dass der Paster einen abholt zum Kaffeetrinken. So ist das nämlich.
Man erwartet, dass er kommt, selbstverständlich. Mit dem Auto.

Aber, wie wir gesehen haben, endet das mitunter im Graben. Nicht ganz ungefährlich, die ganze Angelegenheit.
Also: inne halten. Nachdenken.
So geht’s ja nicht.
(Anmerkung: 
das selbe gilt für Katechetinnen, für Gemeindepädagogen, für Kantoren. Kurz: für so ziemlich alle kirchlichen Mitarbeiter. Weshalb das Wörtchen „Paster“ eher als Synonym zu verstehen ist)

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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2 Antworten zu Pasters Auto…oder ein Kapitel über die ecclesia

  1. willimeck schreibt:

    Hallo Ulrich,

    lese ich da Ärger und Wut über den Unfall? Bestimmt, aber die ganze Sache mal anders herum zu denken, ist eine gute Idee: Auf dem platten Land Land, wo es selbstverständlich ist, daß man für ein Tütchen Puddingpulver zu kaufen ins Auto steigt, ist es für die meisten nicht zuviel verlangt zum „Paster“ zu kommen – die aufsuchende Seelsorge der Städte ist hier nicht so einfach zu praktizieren!

    Findige Leute mit Vollversorgungsmentalität (die sonst über die Kirchensteuern meckern…) kämen jetzt sicher auf die Idee, alle kirchlichen Mitarbeiter mit Dienstwagen zu versehen, am besten mit 4WD und Anhängerkupplung, aber das kanns ja nicht sein…

    Frag doch mal Deinen Kirchenvorstand/Presbyterium oder wie die Gemeindeleitung bei Euch heisst: Ist der Paster nicht viel zu wertvoll (in Person, Handeln und auch finanziell), um in der Botanik herumzukurven? In der Zeit der Fahrerei könnte bei einer Seelsorgesprechstunde viel mehr geleistet werden, immerhin bist Du ja Pfarrer und nicht Fahrer (Verzeih den alten und platten Wortwitz, mußte sein!)…

    Ich bin gespannt, ob sich hier bei Euch was tut, dann hätte der Unfall ja was Gutes gehabt. Ansonsten wünsche ich eine allzeit sichere Fahrt und eine gesegnete Adventszeit!

    Wilfried

    • stillefinden schreibt:

      wir werden uns nach uns nach dieses Themas annehmen. Ein Problem ist allerdings der demografische Wandel, weil die Menschen mit zunehmendem Alter zunehmend immobil werden. Das bedeutet aber auch, dass sie zu „traditionellen“ Veranstaltungen auch nicht mehr gehen können. Gibt es Abhilfe? Ja. Man kann z.B. mit einem eigenen Video-Kanal bei youtube „kirchliche Sendungen“ produzieren, also z.B. Aufzeichnungen von Veranstaltungen und sie so für die Häuser zur Verfügung stellen. Livestreaming wäre auch eine Möglichkeit, ist technisch aber aufwändiger. Wir werden uns dem nach und nach nähern. Klar ist jedoch, dass eine „Vollversorgung“ nicht leistbar ist. Man landet dann im Graben….Dir auch gesegnete Advents- und Weihnachtstage!

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