Wer die Stille sucht, ist bei uns richtig. Pilgerkurse in Uckerland. Ein Erfahrungsbericht


Angefangen hat es mit einem Anruf. Die Kreisvolkshochschule in Prenzlau fragte bei mir an, ob ich was zum „Christophorus-Pilgerweg in Uckerland“ sagen könne. Ich konnte. Und bin nach Templin gefahren, um einzuladen. Zum gemeinsamen Gehen. Denn Pilgerwege muss man gehen, sonst erschließen sich die Erfahrungen nicht, die da am Wege liegen.
Und so gingen wir.
Es war ein intensiver erster Gang, in Abschnitte von 20 Minuten unterteilt. Mit Affirmationen dazwischen, das sind Leitsätze, die man im Kopf hat, wenn man die nächsten 20 Minuten geht.

Heute sind wir den zweiten Weg gegangen. 5 Stunden. Von Wilsickow über Trebenow nach Nechlin und von dort über Brietzig zurück nach Wilsickow. Etwa 20 Kilometer.
In den Dörfern haben wir uns jeweils die alten Dorfkirchen besehen und etwas für die kultur- und geistesgeschichtliche Bildung getan: der Marien-Altar in Wilsickow, die erste nachreformatorische Kirche in Werbelow, die Kirche in Nechlin, die gerade Baustelle ist, die weitgehend neugotische (und barock ausgestattete) Kirche in Brietzig.
Die Wegabschnitte zwischen den Orten gehen wir schweigend.
Weshalb?
Weil wir unsere Sinne schärfen wollen.
Das Ohr
Den Geschmack
Den Tastsinn.
Alle Sinneswahrnehmungen werden schärfer und genauer, wenn man schweigend wahrnimmt, was ist.

Wir beginnen mit dem Atem.
Nimm wahr, was ist. Nimm wahr, wie dein Atem kommt und geht. Beobachte ihn. Achte darauf, dass du gut ausatmest. Ausatmen ist zentral. Das Einatmen kommt von allein, es ist ein Reflex.

Die zweite Affirmation heute hieß: „meine Füße tragen mich“. Eine schöne Erfahrung. Wie der Körper schon tut, wozu er da ist.

Mir war aufgefallen beim Beobachten der Trainingsgruppe, dass etliche mit gebeugtem Haupt gingen, so, als gehöre sich das so beim „Meditieren“. Man weiß ja nie…..
Also haben wir auch darüber gesprochen und die Achtsamkeit darauf gelenkt: wie gehe ich eigentlich? Aufrecht? Gerade? Oder doch eher gebeugt, mit gesenktem Haupt`?
Die dritte Affirmation hieß deshalb: „Ich sehe die Welt“. Wir gehen gerade, aufrecht. Den Blick zum Horizont, lassen uns nicht von der Angst bestimmen, wir könnten stolpern. Der Weg führt. Du wirst es erleben.

Die Abschlussübung hatte die Affirmation: „Ich gehe fröhlich meinen Weg„.
Schon als ich das sagte, war da ein Lachen in den Gesichtern.

Den Weg gehen wir schweigend. Die Affirmationen „addieren“ sich, die Wachheit und Aufmerksamkeit auf das „was ist“, nimmt zu. Schritt für Schritt.

Am Schluss tauschen wir uns bei Kaffee und Kuchen darüber aus, was wir erlebt haben. Lebensthemen werden sichtbar. Das bewusste Gehen hat sie freigelegt.
Im Café in Wilsickow sitzen wir. Da bedient die Chefin selbst. „Zu Gast wie bei Freunden“ ist ihr Motto.

Auf unserer facebook-Seite sind noch weitere Fotos vom zweiten Weg festgehalten.
Wir haben uns verabredet. Wir wollen wieder gehen. Im Februar. Dann werden wir den Winter wahrnehmen.

Ankommen im Hier und Jetzt. Darum geht es. „Wachet auf! ruft uns die Stimme“ so heißt ein altes Lied, das diese Erfahrung beschreibt.
Sich tragen lassen – darum geht es.
Der Tag gestern ist Asche, der Tag morgen ist Holz.
Dein Feuer brennt – jetzt!

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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