Ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit und die Würde des Menschen


Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ sagt Rosa Luxemburg. Ich kann ihr zustimmen, denn meine Freiheit endet da, wo die Würde des anderen Menschen beginnt. Zu seiner Würde gehört seine Religion.

Es ist nicht ein Zeichen von Meinungsfreiheit, wenn Satire-Magazine, Filmemacher, postings et. al, nachdem in zahlreichen Ländern bereits Menschen ums Leben gekommen sind, weil sich andere Menschen in ihrer Würde verletzt fühlen, weiter nachtreten und erneut Karikaturen, Filmbeiträge, Artikel in die Welt setzen, die andere Menschen in ihrer Weltanschauung, in ihrer Religion, in den Dingen, die ihnen wichtig sind, zutiefst verletzen.

„Das ist Meinungsfreiheit!“ hört man allenthalben.
„Meinungsfreiheit“ verwechseln in diesen Tagen nicht wenige mit „Brutalität“.
Das geht nach dem Motto: „Mir ist völlig egal, ob ich dem anderen gerade ins Gesicht trete mit meinen Worten. Mir ist es völlig egal, ob es bereits tote Menschen gibt. Mir ist völlig egal, was meine Worte bewirken. Ich sage sie, ich drucke sie, ich verfilme sie. Denn das ist Meinungsfreiheit und darauf habe ich ein Recht.“

Wir reden also über Egoismus.
Und zwar nicht über einen gesunden Egoismus, der etwas mit Selbst-Sicherheit zu tun hat, sondern über einen kranken Egoismus, der nicht mehr in der Lage ist, inne zu halten. Ein kranker Egoismus kennt nur noch „ich, ich, ich“. Dem ist völlig egal, wie es dem Menschen neben mir geht mit seiner Sicht der Welt.

Nun weiß ich als einer, der in einer Diktatur aufgewachsen ist sehr wohl das hohe Gut der Meinungsfreiheit zu schätzen und ich gehöre zu denen, die dieses Recht unbedingt verteidigen.
Aber: Meinungsfreiheit hat eine Grenze.
Die ist exakt an der Linie, wo die Würde des anderen Menschen neben mir beginnt.

Und deshalb soll mir keiner etwas von „Meinungsfreiheit“ schwafeln, der im Grunde seinen eigenen Egoismus meint. Kein Zeitungsmacher soll mir was von „Meinungsfreiheit“ daher reden, der vom Verkauf seiner Texte ein Unternehmen finanzieren muss. Wenn es um Auflage und Umsatz geht, dann geht es um Auflage und Umsatz, nicht um Meinungsfreiheit. In unseren Tagen verkauft sich gut, was „gegen den Strich gebürstet“ ist.

Ich erlebe die Debatte um das „Mohammed-Video“ in diesen Tagen wie das Herunterzerren einer Maske, die unsere Gesellschaft trägt.
Da wird zwar von „Meinungsfreiheit“ geredet, man meint in Wahrheit aber: „Hauptsache, ich, ich, ich darf sagen, was ich will. Ich mache den Propheten nieder, ziehe ihn in den Dreck, schleife ihn durch den Sumpf meiner Vorurteile – mir ist völlig egal, wie das auf andere Menschen wirkt. Das ist eben Meinungsfreiheit“.

Würde ist etwas anderes.
Sensibilität ist etwas anderes.
Ist es wichtig, ob da bereits Menschen ums Leben gekommen sind, weil einige glaubten, ihr Recht auf Meinungsfreiheit ausleben zu müssen?
Ja. das ist wichtig.

Denn die Würde des Menschen ist antastbar.
Und nicht selten führt das Verletzen der Würde des Menschen zu Gewalt.

Deshalb wäre es ein Zeichen von großer innerer Selbst-Sicherheit, ein Zeichen von Aufmerksamkeit, Sensibilität und Wachheit der aufgeklärten westlichen Gesellschaften, wenn man nun nicht immer weiter verletzen, entwürdigen und nachtreten würde.

Allerdings habe ich den Verdacht, dass es dem Westen eben exakt an dieser gelassenen Selbst-Sicherheit mangelt. Er ist innen hohl. Er redet nur noch von Toleranz, aber er lebt sie schon längst nicht mehr.
Es ist die Geschichte vom Splitter im fremden und dem Balken im eigenen Auge.

Was sich in diesen Tagen zeigt, ist die Brutalität und Ignoranz die sich in westlichen Gesellschaften ausbreitet wie eine Seuche.  Es ist der blanke Egoismus, getarnt als „Meinungsfreiheit“, der da offenbar wird.

Ich kann verstehen, wenn Menschen darauf zornig reagieren.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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3 Antworten zu Ein Plädoyer für die Meinungsfreiheit und die Würde des Menschen

  1. Michael Schiffer schreibt:

    Was für ein Kommentar…nehmt alles hin, so wie es ist, kritisiert nichts – denn das ist Egoistisch…
    Freiheit für die Religion – aber die denkenden Menschen sind bitte still!

    • stillefinden schreibt:

      wenn das das Ergebnis der Lektüre ist, bin ich gründlich mißverstanden. Es geht mir überhaupt nicht darum, daß die „denkenden Menschen bitte still“ sein mögen. Ganz im Gegenteil. Ich finde, das Nachdenken über die Vorgänge, die wir gerade auf der Welt erleben, kann eben dazu führen, daß man mehr noch als in der Vergangenheit über die „Freiheit des Andersdenkenden“ nachdenkt, zu der eben auch seine Würde gehört. Und zu seiner Würde gehört seine Religion, die Art, wie er die Welt sieht und versteht.

    • Ute Janßen schreibt:

      Es geht m.E. nicht darum, dass nicht kritisiert werden darf, es geht darum, dass nicht beleidigt werden darf. Zwischen Kritik und Beleidigung liegen nach meinem Empfinden Welten!

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