Folge dem Leben. Garten-Tagebuch. 14. 8. 2012


„Folge dem Leben!“ Das ist die Lektion, die der Garten unterrichtet Tag für Tag.

Täglich sind Besucher im Garten. Sie haben in der Zeitung davon gelesen, sie haben im Internet davon erfahren. Heute kamen Besucher aus Berlin, aus Neubrandenburg und Magdeburg. Und Kinder saßen oben am „Platz der Stille“ und spielten mit den Holzspänen, die ich als Belag auf die Folie aufgebracht hatte. Wunderbar!
Die Geschichte des Gartens interessiert die Menschen.
Und der Garten wird zum Lehrmeister.
„Sie haben doch sicher Durst?“ frage ich die Besucher.
„Ja, schon“ meinte eine Mutter mit Blick auf ihre kleine Tochter.
„Wasser kann ich Ihnen anbieten. Wir könnten uns drüben an den Tisch setzen“ meinte ich, ging in die Küche, holte ein paar Flaschen Selters, ein paar Gläser, wir hockten uns in die Sonne an den einfachen Gartentisch und erzählten. Vom Garten, von den Rosen, dass sie ja eigentlich aus muslimischen Ländern kommen. Und dass der Garten in der Tradition der Klostergärten zu verstehen ist: Man soll ihn mit allen Sinnen wahrnehmen, soll verweilen, sich die Geschichte der Rosen vergegenwärtigen, wie sie gekommen sind dereinst, von den Kreuzrittern mitgebracht aus muslimischen Ländern. Und nun stehen sie hier und blühen. Einige schon zum dritten Mal (!) in diesem ersten Pflanzjahr.
Ich sitze und höre zu.
Was die Kinder zu erzählen haben, wenn sie spielen am Tisch.
Und was die Eltern zu erzählen haben von den Orten, in denen sie leben. Von ihrer Arbeit, von den Themen, die sie beschäftigen.

Der Garten führt die Menschen zusammen. So verhält es sich. Und so ist es gedacht.

Da ist nun also dieser Tisch, an dem die Gäste sitzen. Denn sie haben Durst.
Ist das der Beginn des „Rosen-Cafés am Internet-Garten“?
Sollte ich in den Sommermonaten immer eine Tasse Kaffee und einen Saft und Wasser bereit halten?
Warum eigentlich nicht?
„Da könnte doch jemand noch einen Kuchen backen…..“ schlägt eine Besucherin vor.
Mal schauen, wohin die Spur führt.

Heute jedenfalls haben wir am Gartentisch am Rosengarten gesessen, zusammen mit den Kindern, haben die Rosen gesehen, von ihnen gesprochen und darüber, dass man im Leben der Spur folgen soll, die das Leben einem legt. „Viele sehen diese Spur nicht“ meinte die andere Besucherin. „Sie suchen und suchen und sie finden die Spur nicht, die ganz offensichtlich da vor ihnen liegt.“
Es käme also darauf an, die Aufmerksamkeit wieder zu erlernen. Die Achtsamkeit.

Auch dafür ist der Garten gedacht. Man soll ihn nicht sehen wie eine künstliche Anlage einer Landesgartenschau, die für teures Geld in eine Gegend „hingestellt“ wurde, sondern man soll die Menschen sehen, die die Rosen gestiftet haben; man soll die Menschen sehen, die ihn angelegt und gepflegt haben und pflegen.
Und dann kann man vielleicht entdecken, dass so ein „Rosen-Café am Internet-Garten“ als Angebot der Kirchgemeinde, gar keine so schlechte Idee ist. Die Menschen hätten wieder einen Ort – zumindest in den Sommermonaten – wo man sich treffen und sich begegnen kann. Denn andere Orte, die es früher gab, haben geschlossen mittlerweile.
Aber wer weiß, vielleicht entsteht da ja etwas Neues. Ein Treff-Punkt im Ort. Wo man abends noch hingehen kann, um etwas zu trinken oder etwas Einfaches zu essen. Wo man andere Menschen treffen kann und wo man auch mal ein Lied zusammen singen kann.
Wer weiß, was sich da entwickeln will.
Heute jedenfalls stand da schon mal ein Gartentisch……

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Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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