Amazonien liegt in Uckerland


Vier Uhr bin ich wach und gehe auf die Terrasse. Sehe den Nebel durch den Dschungel des Gartens ziehen. Was für ein schöner Moment! Die Vögel beginnen gerade zu singen. Der Bach rauscht. Stille im Dorf, kein Mensch ist zu hören, kein Flugzeug, kein Auto, kein Traktor. Ruhe. Nur der Bach und die Vögel.
Wie reich die Schöpfung ist! Ich bekomme ein Gefühl, wie sie mal gemeint gewesen sein muss.
Bis der Mensch kam.
Mit seiner Habgier und seinem Wahn, er sei die Krone der Schöpfung und könne sie sich unterwerfen.
Wenn ich die Nachrichten, die mich über das Internet erreichen lese – Radio und Fernsehen höre ich nicht, der Fernseher ist ganz abgeschafft  – sehe ich viele zerstörte Seelen.
Sie haben keinen Kontakt mehr.
Wenn die Menschen doch wieder zur Besinnung kämen!
Lauschen lernen. Das ist die Aufgabe.
Morgens auf der Terrasse oder am offenen Fenster stehen und hören, wie schön es trotz allem immer noch ist.
In den Urwald lauschen – das kann ich hier.
„Mein Amazonien“, „mein Dschungel“.
Dichtes, sattes Grün. Nebel. Feuchte Luft. Vogelstimmen. Zwischen den Erlen rauscht der Bach hinterm hundertjährigen Flieder.
Viele der Vögel erkenne ich nicht. Ich hab ja in Städten gelebt in den vergangenen Jahren.
Den Star erkenne ich. Den Pirol auch, diesen seltenen Vogel, die Holztaube, die gestern von den Elstern gejagt wurde, bis ich dazwischen ging. Der Zilp-Zalp ist nicht zu überhören.
Die Nachtigall hat ihre Jungen nun aufgezogen. Ich erinnere mich noch, wie schön es war, als sie kam und zum ersten Mal sang.
Der Storch hat zwei Junge hoch oben im Nest auf dem Kirchendach.
Auf den Feldern wächst das Getreide. Die Rosen blühen im neu gepflanzten Rosengarten.
Der alte Apfelbaum, der hier im Bild noch so schön blüht, trägt Früchte zur Reife.
„Im Moment ist noch Ruhe“, sagte mir die Gastwirtin gestern beim Mittag, „aber bald geht die Ernte los“.

Ernte.
Was haben wir zu ernten in unserem Leben?
Was ist unsere Lebensernte?
Was ist die Substanz?
Was bleibt am Ende, wenn wir nachschauen auf der Tenne?

Danke für all den Reichtum, den DU uns geschenkt hast.
Vergib uns, dass wir ihn nicht gesehen, sondern zerstört haben.

Die schönste Lebensernte wäre: wenn wir das Danken endlich lernten.
Morgens auf der Terrasse kann ich nur ganz still stehen und lauschen auf all den Reichtum.
Die angemessene Haltung des Menschen gegenüber der Schöpfung ist: lauschen, sehen, staunen, danken.

Alles andre ist Hochmut. Davon allerdings gibt’s reichlich.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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