Glotzt nicht so romantisch! oder: etwas über Himmelfahrt


Ersterer Satz stammt von Bert Brecht.
Zweiteres geht auf eine sehr lange Tradition zurück. Schon das Alte Testament kennt Vorstellungen von „Himmelfahrt“. Die des Elija beispielsweise. Auch gibt es die Vorstellung von der „Himmelfahrt Marias“.

Übrig geblieben ist der „Männertag“. Und Restalkohol.
Soweit zur Geschichte.
Nun zum Detail.
Die alte Hetzdorfer Feldsteinkirche in der Uckermark hat eine besondere Himmelfahrts-Darstellung von 1620: da fährt die Christus-Figur „mit dem Kopf durch die Wand“, direkt durch den Balken.
Rätselhaft zunächst.
Wir wissen: von 1620 stammt diese Darstellung.
Sie bezieht sich auf einen Text in der Apostelgeschichte (Kapitel 1, Verse 1-11), in griechischer Sprache überliefert, oft übersetzt, diskutiert, interpretiert, gemalt, vertont, bedichtet; Bestandteil unserer Kulturgeschichte.
Also: doch nicht nur Restalkohol am Männertag.
Da lohnt näheres Hinsehen.
Im alten griechischen Text heißt es so wunderbar, als die Jünger Jesu in den Himmel schauten: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?….Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück….“

Also: Glotzt nicht so romantisch, sondern wendet euch den irdischen Dingen zu. Geht wieder in die Stadt.
So wird es erzählt.
Sehr nüchtern ist das.
Das Geheimnis bleibt euch verborgen, ist „euren Augen entzogen“. Das ist die eine Botschaft der Erzählung von der Himmelfahrt.
Das andere ist: „geht in die Stadt“. Das heißt ja wohl: wendet euch dem Alltag zu, denn dort will christlicher Glaube Bewährung finden.
Nicht der „Blick in den Himmel“ macht den Christen aus, sondern die tägliche Tat.

In der alten Hetzdorfer Kirche fährt die Christus-Figur durch den Balken. Genauer: durch ein Loch im Balken. Ein „Heiliggeistloch“ vermutlich, dass in der Renaissance in etlichen Kirchen zu finden ist. Und: man „spielte“ mit dem ursprünglich als Lüftungsloch gelassenen architektonischen Detail: „Ein Heiliggeistloch oder Pfingstloch ist eine Öffnung in der Decke des Langhauses eines Kirchengebäudes, meist in der Nähe des Chores. Es diente ursprünglich als Lüftungsöffnung für die Kirche. Während des Pfingstgottesdienstes diente die Öffnung dazu, als Symbol für den Heiligen Geist eine weiße Taube freizulassen, eine Holztaube herunterzulassen oder Blumen herabregnen zu lassen. Gelegentlich ließ man durch die Öffnung trotz der Brandgefahr brennendes Werg als Symbol der Flammenzungen des Heiligen Geistes fallen. In anderen Fällen wurden die Zungen bereits als Verzierung rund um das Loch angebracht.In anderen Kirchen wurde an Christi Himmelfahrt ein Licht geschwenkt und für die Jugend wurden Süßigkeiten und Blumenkränze geworfen oder eineChristusfigur stieg durch diese Öffnung an einem Seil in den „Himmel“ auf.Der seit der Gotik bekannte Brauch kam nach der Aufklärung nach und nach außer Gebrauch, wird heute aber in einigen Kirchen wiederbelebt.

Im Passauer Dom ist über dem Heiliggeistloch im Dachgebälk eine Orgel als Fernorgel aufgestellt, die durch das durch ein Gitter verschlossene Heiliggeistloch hörbar ist“.(Wikipedia).

Was also ist die „Botschaft“ des Himmelfahrts-Tages?
Sie ist vielfältig, geht auf eine sehr alte Tradition zurück und ist gefüllt mit verschiedenerlei Vorstellungen.

Heute soll ein Akzent der Geschichte betont sein:
„Glotzt nicht so romantisch! – Sondern bewährt euren Glauben im Alltag. Geht wieder in die Stadt“.
Und, das mit dem Restalkohol könnt ihr euch ja auch noch mal überlegen. Davon jedenfalls steht nichts in der alten Geschichte……

 

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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