Die Schubkarre schieben – oder etwas von Paulus


Ich schiebe die Schubkarre mit dem Holzschredder durch die wachsende Wiese hinüber zum neuen Rosen-Garten.
Heute beginnt der Wegebau.
Eine Folie wird untergelegt unter den schmalen Pfad, der nur für eine Person breit sein soll.
Dann wird das Holz aus der Karre eingefüllt.
Ein Naturpfad entsteht so zwischen Rosenbeet und Rasenfläche.
Ich denke bei dieser Arbeit an einen alten Brief.
Ein Handwerker hat ihn geschrieben, Zeltmacher war er: Paulus.

Er wie ich Mitte fünfzig, schreibt:

„Darum werden wir nicht müde; wenn auch unser äußerer Mensch aufgerieben wird, der innere wird Tag für Tag erneuert….wir, die wir nicht auf das Sichtbare starren, sondern nach dem Unsichtbaren ausblicken;denn das Sichtbare ist vergänglich, das Unsichtbare ist ewig.“

„Das Sichtbare ist vergänglich“ klingt da – und ich schiebe die Karre, um Neues anzulegen.
Vergängliches.
Schön soll es werden.
Aber es bleibt vergänglich.
Es ist seltsam mit den Angelegenheiten, die uns so beschäftigen mit unserer Arbeit.
Haschen nach Wind.
Bauen von Vergänglichem.
Einer Blume verwandt: sie blüht, weil sie blüht.
Ich baue den Weg, weil ich den Weg baue.
Ich schiebe die Karre, weil ich die Karre schiebe.
Das ist es schon.
Wesentlich ist es nicht.
Wesentlich ist das „Ewige“, das „Unsichtbare“, nach dem wir „Ausschau halten“.
So schreibt es der Zeltmacher an die Menschen in der Stadt.
Er wie ich Mitte fünfzig.
Klug, was er da schreibt.
Denn wer spürt, dass das Vorläufige nicht das Ewige ist, der kann in Kontakt gehen mit dem „wonach wir Ausschau halten“ – von dort kommt die Kraft, die Karre zu schieben.
Deshalb „werden wir nicht müde“. Wie die Nachtigall, die nebenan ihr Lied singt den ganzen Tag und die ganze Nacht.
Ich schiebe die Karre mit den Holzspänen.
Das ist mein Lied.
Mehr nicht.

In den Klöstern ist der Wechsel zwischen Handarbeit und Arbeit mit dem Kopf wesentlich.
Der Wechsel ist das Geheimnis.
Wie Einatmen und Ausatmen.
Denken und Holz schaufeln.
Die Karre schieben und einem alten Satz nachdenken.
Die Nachtigall hören und dem alten Brief nachspüren.
Dann gibt es Momente, da fließt es ineinander.

Dieser Internet-Rosen-Garten, den wir da neu anlegen, ist ein großer Lehrmeister.
Und die Schubkarre ist die Meisterin.

(falls jemand nachlesen möchte, diesen Brief findet man notiert als „Zweiten Brief an die Menschen in Korinth“ (das liegt in Griechenland) im 4. Kapitel ab Vers 16).

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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