„Geht in das Dorf, das da vor euch liegt…..“ (Matthäus 21) – eine Geschichte vom Advent


Werbelow heißt das Dorf. Seit sechs Jahren hat hier keine kirchliche Veranstaltung mehr stattgefunden. Wir sind gekommen, um Advent zu feiern. Ich steige aus dem Auto aus und gehe zur turmlosen Kirche den kleinen Hügel hinauf. Die Kirche ist verschlossen. Ein ziemlich kalter Novemberwind pfeift um die Kirche. Zwei Frauen aus dem Ort kommen. Wir suchen ein wenig Schutz zwischen zwei Gebäuden dicht an der Friedhofsmauer und warten, dass der Älteste mit dem Kirchenschlüssel kommt. „Wann war denn hier der letzte Gottesdienst?“ frage ich. Sie wissen es nicht gleich genau. Sind es vier Jahre? Ist es sechs Jahre her?
Die Katechetin kommt und bringt den Schlüssel mit, hat einen Adventskranz mit und ein paar Kerzen.
Mittlerweile sind wir schon zu fünft.
Der Schlüssel klemmt, ich brauche beide Hände, um die Tür zu öffnen.
Aus dem Nachbardorf sind zwei Älteste gekommen. Schön.
Immerhin ist Strom da, wir können die Lampen anschalten.
Es ist kalt in dem alten Kirchenraum. Oben auf der Empore die zerstörte Orgel. Eine Älteste klettert auf die Orgelempore hinauf und kommt mit „Orgelimprovisationen von Max Reger“ zurück. „Das müssen wir unbedingt aufgeben“ sagt sie.
„Haben wir eigentlich Gesangbücher?“ Nein, es sind keine hier. „Komm, wir fahren nochmal schnell zu uns und holen welche“ sagt der Älteste und beide machen sich auf in den Nachbarort.
Die Kirchentür öffnet sich und eine Gruppe junger Leute kommen dazu.
Aus Brüssel, aus Berlin.
„Wir sind heute früh in Berlin aufgebrochen, weil wir hier um 14.00 Uhr in Werbelow dabei sein wollten“ sagt der eine, als sei es das Selbstverständlichste von der Welt.
Er arbeitet in Brüssel…..
Wir warten auf die Gesangbücher und unterhalten uns so lange noch, ich bin schon umgezogen, habe den Talar an.
Eine der vier Frauen aus dem Ort nestelt in ihrer Handtasche und holt zwei alte Fotos aus einem gelblichen Briefumschlag. „Schauen Sie mal, so schön war der Altar hier mal. Ich bin hier getauft und konfirmiert“ erzählt sie. Die Leuchter, das Kruzifix, auch die Altardecke sind ausgelagert. Ich muss herausfinden, in welcher der 11 Kirchen der Gemeinde sie jetzt stehen.
Dann sind die Gesangbücher da und wir können beginnen. Wir singen ohne Orgel, aber wir können mehrstimmig singen. Die jungen Leute aus Berlin und Brüssel haben schöne Stimmen.

Der Raum predigt. Ich brauche gar nicht viel zu sagen.
„Geht in das Dorf, das da vor euch liegt…..“ Packt bei den Dingen an, die euch „vor die Füße fallen.“ Fangt mit dem „Nächstliegenden“ an – mit diesem Dorf.
Schließt die Tür auf und beginnt.
„Macht hoch die Tür, die Tor macht weit……“
Es ist ein sehr eindrücklicher, starker Gottesdienst, den wir hier in dieser alten eiskalten Kirche feiern.
Ich rede von der Armut, rede vom Stall, in dem der Herr der Welt Mensch wird….
Der Raum predigt.
Oben pfeift der Wind durchs Dach.
Und wir singen: „Tochter Zion, freue dich….“
Am Schluß dieses Adventsgottesdienstes stehen wir im Kreis vor dem Altar und hören die Segensworte: „Der Herr segne dich und er behüte dich…..“
„Danke!“ sagt mir die junge Frau aus Berlin am Ausgang.
Ich hab sie gesehen, wie sie da saßen in diesen alten Bänken, wo seit sechs Jahren keiner gesessen hatte, wie sie zuhörten und nickten, konnte sehen, wie ihre Herzen dabei waren, als es Advent werden wollte in diesem Dorf.
Das Neue Testament ist hilfreich, denn es ist sehr konkret:
„Geht in das Dorf, das da vor euch liegt…..“
16 Personen waren wir. Damit hatte niemand gerechnet. Sie waren aus der Stadt gekommen und aus den Nachbardörfern. Es war ein guter erster Advent da im Uckerland.
Einer, der uns noch lange in Erinnerung bleiben wird.
Danach saßen wir in Wilsickow im Cafe und haben noch lange geredet……

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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2 Antworten zu „Geht in das Dorf, das da vor euch liegt…..“ (Matthäus 21) – eine Geschichte vom Advent

  1. Elisabeth v. Holtzendorff schreibt:

    …und wir sagen nochmals herzlichen Dank für diesen stimmungsvollen Auftakt in die Adventszeit!!! Beste Grüße, Elisabeth v. Holtzendorff

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