Opas Laptop – eine Geschichte vom Lande


„Wat de Buer nich kennt, dat eet er nich“ – Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht.
„Mit dem Internet, dat is mir nüscht“ sagen mir einige Leute. Ältere vor allem.
Ich höre aber auch: „zum achtzigsten Geburtstag habe ich mir einen Laptop gewünscht. Und einen Computerkurs von meinen Enkeln. Wissen Sie, da kann ich viel besser mit den Kindern und Enkeln im Kontakt bleiben und weiß, was bei denen so los ist.“
Beides gibt es. Ängstliche Ablehnung des Neuen – aber auch interessierte Nutzung der neuen Möglichkeiten.
„Man muss den älteren Menschen zunächst die Angst vor der Technik nehmen“ sagt mir ein Mann, der mit älteren Menschen arbeitet. „Manche haben Angst, dass sie was kaputt machen könnten, oder im Internet was falsch machen. Manche fürchten sich, dass sie da irgendwas „unterschreiben“, was sie eigentlich gar nicht bestellen wollten und solche Sachen. Man braucht Geduld am Anfang.“
Vermutlich wird lange beides nebeneinander sein: Ablehnung und Annäherung.
Sobald man einen Nutzen erkennen kann, wird der Gebrauch der Computer auch auf dem Lande zunehmen.
Im Moment ist die Infrastruktur noch nicht ausreichend. Einige Orte im Uckerland sind schon mit guten Leitungen versorgt, andere haben noch ganz schlechte Verbindungen.
Normalerweise wird telefoniert.
Manche Leute haben ein Handy, „das mit diesen Computern“ fängt aber grad erst an. Wenn die Leitungen besser sind – ab Februar soll das der Fall sein – wird sich das nach und nach ändern.
Zunächst wird man vielleicht e-mail schreiben. Aber das ist nicht sicher, denn das, was man sich zu sagen hat, kann man auch am Telefon sagen oder mal eben über die Straße gehen, um direkt mit dem Nachbarn zu reden.
Vielleicht steht auch skype am Anfang, denn dann kann Opa am Laptop den Enkel in der Fremde sehen, wenn er mit ihm telefoniert. Weil die jungen Leute dahin gehen, wo sie Arbeit finden, wohnen sie oft sehr weit weg.
„Mein Sohn arbeitet an der holländischen Grenze“ sagt mir heute ein Mann. „Das sind achthundert Kilometer….“
Aber als Informationsquelle könnte das Internet nützlich sein.
„Woher weißt du das?“
„Aus dem Internet“. Das höre ich immer öfter.
Dass man da was bestellen kann, hat sich auch schon herumgesprochen.
Es ist ja schwieriger geworden mit dem Einkaufen. Wer nicht so recht aus dem Haus kann, dem bringt der Nachbar was mit aus der Stadt – Lebensmittel zum Beispiel. Der Bäcker und der Fleischer kommt mit dem Auto auf die Dörfer, aber wenn man darüber hinaus was kaufen will, ist es schon schwieriger. Einen Laden gibt’s ja nicht mehr auf dem Dorfe.
Was hat das alles mit der Kirchgemeinde zu tun?
Eine Menge: denn wir haben einen schönen Raum, wir haben eine gute Internetverbindung. Also könnten wir – vielleicht zusammen mit der Kreisvolkshochschule, denn die hat ein „mobiles Computerkabinett“, anbieten, dass man bei uns „Internet lernen“ kann. Pfarrhäuser waren schon immer Orte der Bildung. Früher ging man dorthin zur Schule….
Für unsere Arbeit ist das Internet wichtig. Die großen Entfernungen zwischen den Orten zwingen uns dazu. Einen „Gemeindebrief“ mit Informationen über Veranstaltungen und Ereignisse kann ich preiswerter und besser gestaltet in die Häuser bringen, wenn ich das Internet nutze, als wenn ich ihn drucken und verteilen lassen müsste.
Den Veranstaltungsplan haben wir jetzt schon im Netz auf der Homepage – und die Leute schauen dort nach, ich höre es immer wieder. Wer einen Computer hat, schaut nach und sagt’s seinem Nachbarn weiter.
„Wenn Sie den Gemeindebrief per e-mail schicken, drucke ich ihn aus, kopiere ihn und reiche ihn weiter im Dorf“ sagt mir eine Frau. Das hilft uns, denn in den zwanzig Ortschaften, die zum Uckerland gehören, kann man nicht überall gleichzeitig sein.
Die Zusammenarbeit mit Kollegen geht über das Netz sehr viel einfacher, als wenn ich lange Kilometer zu einer Besprechung fahren müsste. Facebook, twitter, google+ und blog – alles hat eigene Stärken und hilft.
Da aber in den Ortschaften von Uckerland der demografische Wandel besonders klar zu erkennen ist – die Jüngeren sind oftmals schon weggezogen oder arbeiten woanders – sind die Älteren wichtig.
„Einen Laptop für Opa“ ist deshalb ein sinnvolles Angebot der Kirchgemeinde auch für die älter gewordenen Menschen in den Dörfern. Oftmals können sie nicht mehr recht aus dem Haus, weil der Körper nicht mehr so will, wie er sollte. Das Netz kann helfen, Einsamkeit zu bekämpfen und Brücken zwischen Menschen zu bauen.
Die persönliche Begegnung ist durch nichts zu ersetzen, ich weiß das wohl. Aber das Internet kann helfen, dass Menschen in Verbindung bleiben, auch, wenn man nicht mehr so recht aus dem Haus kann.
Deshalb werden wir im Frühjahr mit einem solchen Angebot beginnen.
Wer will, ist herzlich eingeladen, Schritt für Schritt den Umgang mit Computer und Internet zu erlernen.
Im Pfarrhaus, versteht sich.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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