Eine Vorweihnachtsgeschichte


Mittags esse ich meistens im Dorfkrug im Nachbarort. Die Chefin setzt sich heute wieder mal zu mir und wir erzählen ein paar Takte. Da erzählt sie mir, dass der Nachbar im vorigen Jahr zum Heilig Abend gepredigt habe. „Wissen Sie, Heilig Abend wollen wir zu Hause sein. Und ohne Kirche ist gar nicht richtig Heilig Abend. Also hat er gesagt: dann mach ich es, wenn kein Pastor da ist.“ Er wäre auch bereit, in diesem Jahr wieder zu helfen. Wir verabreden uns für einen Anruf heute Abend.
„Wissen Sie“ sagt er mir am Telefon. „Einige Sänger aus unserem Singkreis singen in diesem Jahr das Weihnachtsoratorium mit und da wird am Heilig Abend die Kantate I gesungen und sie freuen sich schon sehr drauf.“
„Das verstehe ich gut“ sage ich. „Ich hab das Weihnachtsoratorium nun schon 27 mal mitgesungen.“

„Ich singe ja auch gern“ sagt der Nachbar. „Aber ich hab gesagt: Weihnachten wollen wir doch zu Hause sein.“
Und deshalb ist er wieder bereit, den Gottesdienst zu halten.
„Wollen wir uns verabreden, um das miteinander vorzubereiten?“ frage ich ihn am Telefon.
„Ja, unbedingt, Herr Pastor“ sagt er und wir verabreden uns. Wir werden uns treffen und die Veranstaltung miteinander durchsprechen. Da kann ich ihm zur Seite stehen.
„Sie kommen ja gar nicht in allen Orten durch“ sagt er verständnisvoll. „Bei 11 Kirchen kann man nicht überall sein am Heilig Abend“. Ich bin dankbar für sein Verständnis.

Und so findet sich ein „Lektor“, ein Ehrenamtlicher, der selbst Verantwortung übernimmt.

Ich bin erinnert an die ersten Gemeinden, von denen in den alten Texten zu lesen ist. Eine Zeit ohne hauptamtliche Mitarbeiter, ohne „Kirchen“, ohne eigene Gebäude. Man hat sich getroffen und miteinander die alten Gebete gesprochen, vielleicht auch Lieder gesungen, hat gelesen in den alten Texten, hat für die Bedürftigen im Ort gesammelt.

Und hier, zwanzig Jahre nach der „Wende“, zwanzig Jahre nach der Diktatur, die alles „kirchliche“ bekämpft hatte, da findet sich nun wieder so ein Ehrenamtlicher, der Verantwortung übernimmt.

Weihnachten ist wichtig für die Menschen. Der Heilige Abend besonders.
„Da geht man in die Kirche“ sagen die Leute.

Für mich ist das meine Weihnachtsgeschichte in diesem Jahr.
Eine Geschichte aus einfachen dörflichen Verhältnissen.
Eine Geschichte, die mir Mut macht.
Nun werden wir uns beide an einem Abend im November zusammen hocken bei ihm in der Stube und den Heiligen Abend vorbereiten.

So ist das im Uckerland.

Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
Dieser Beitrag wurde unter Tagesnotizen abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s