Wat nu, Herr Pastor?


Tja, wat nu?
Die Dörfer sind klein. Die Entfernungen dazwischen groß.
Die Bevölkerung wird älter und weniger. Fachleute sprechen vom „demografischen Wandel“. Das klingt abstrakt, ist aber sehr konkret.
Denn: wie kann es beispielsweise gelingen, die wertvollen alten Kirchen zu erhalten angesichts dieser Fakten? Da kommt der Pastor ins Grübeln.
Das Internet muss helfen. Von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz wusste ich von der Initiative „Entschlossene Kirchen“ in Anhalt. Also bemühe ich google und finde Seite und Satzung dieser guten Initiative. Ich lese die Satzung aufmerksam und bin sehr angetan.
Die Idee kann uns weiter helfen: eine unselbständige Stiftung für unsere Kirchen unter dem Dach der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.
Also schreibe ich e-mails, nehme Kontakte auf, telefoniere, fahre ins Amt, rede mit Fachleuten. Überall Aufgeschlossenheit. Das ist schon mal gut, denn es kommt noch viel Arbeit. Aber: ein Anfang ist gemacht. Es gibt da schon ein Modell für das, was uns weiterhelfen könnte.

Zum Mittag bin ich kurz im Dorfkrug im Nachbardorf, wie in den vergangenen Tagen auch. Gelegenheit zum Austausch. Menschen kennen lernen. Hintergründe erfahren.

Nachmittags bin ich dringend zu einem Geburtstagsbesuch ins Nachbardorf eingeladen. Eine alte Dame ist für ihren Geburtstag nach Hause entlassen worden. Ich lerne bei Kaffee und Kuchen vom guten alten Handwerk, das man hier noch kennt. Z.B. warme Schuhe selber machen. Höre, wie mühselig es war, einen „Beispielschuh“ nachzufertigen. Bis es gelang. Schöne, warme Winterschuhe für zu Hause. Gutes Handwerk.

Meiner Begleiterin kann ich einen Körpertherapeuten empfehlen, mit dem ich zusammen die Ausbildung zum Körpertherapeuten gemacht habe. Er praktiziert nicht weit entfernt. Und ist auch gleich am Telefon. Vielleicht können wir ihren Rückenschmerzen so zu Leibe rücken. Ein Stück Hoffnung.

Und dann, eigentlich wollte ich mich schon verabschieden von meiner Begleiterin, wir waren aber kurz ins Haus gegangen, um Telefon und Adresse des Therapeuten zu notieren, entdecke ich eine Künstlerin: meine Begleiterin ist nicht nur die Ortchronistin des Nachbardorfes, sondern sie malt auch. Ein Bild fesselt mich sofort: da gibt es eine Ortsansicht des Nachbardorfes zu sehen, das anhand von Erzählungen der alten Einwohner des Ortes rekonstruiert worden ist. Ein Bild – nach Erzählungen und alten Postkarten? Ich bin begeistert und schlage eine Ausstellung vor. Denn immer mehr Bilder bekomme ich zu sehen. Sogar ein Bildbändchen, Kalender, Postkarten – meine Begleiterin erweist sich als Talent. Ihre Bilder hängen aber bislang nur bei ihr zu Hause. Das können wir ändern: wenn das Pfarrhaus fertig umgebaut und renoviert ist, können und werden wir eine Ausstellung machen. Und wir werden im Internet davon erzählen. Vielleicht kommt ja auch die Regionalzeitung dazu. Das werden wir sehen.

Was für ein erfüllter Tag!
Abends setze ich mich aber noch und halte die „Tagesnotizen“ fest.
Ich gehe als Beschenkter in den Feierabend. Tag für Tag neue Entdeckungen. Interessante, aufgeschlossene, freundliche Menschen begegnen mir. Ideen entstehen. Unterstützer zeigen sich.
Das Leben hier auf dem Lande wird von Tag zu Tag spannender….

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Über stillefinden

dies ist der blog der Kirchgemeinden im Uckerland. verantwortlich: Pfarrer Ulrich Kasparick Hetzdorf 16 17337 Uckerland mail: Hetzdorf@pek.de auch bei facebook: https://www.facebook.com/pages/Kirchen-in-Uckerland
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3 Antworten zu Wat nu, Herr Pastor?

  1. Pingback: Wat nu, Herr Pastor? - kirche-im-uckerlands Jimdo-Page!

  2. Hannes schreibt:

    Guter Artikel. Bestimt keine schlechte Sache, sich damit intensiver zu befassen. Werde sicher die nächsten Beitraege im Auge behalten.

    • stillefinden schreibt:

      das freut mich. Es ist eine spannende und reizvolle Aufgabe, neue Wege zu gehen. Denn die werden wir brauchen, wenn wir die Aufgabe lösen wollen. Die Menschen in den Dörfern denken zwar oft noch nur an „ihren Kirchturm“, ortsübergreifendes Denken ist noch nicht sehr ausgeprägt, aber die gegebene Situation zwingt zu mehr Kooperation. Ich bin zuversichtlich, dass das gelingen kann.

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