Alten Worten nachdenken: Demut


Alte Worte sind klüger als wir, denn sie sammeln in sich mehr Erfahrung, als wir in unserem kurzen Leben ansammeln können. Deshalb lohnt es, ihnen nachzudenken.
Wenn ich „Demut“ höre, fällt mir zunächst „Demütigung“ ein. Im Sinne von Erniedrigung.
Aber genau das ist nicht gemeint.
Ich spüre diesem alten Wort also weiter nach, lese und lerne:
Demut gilt als Tugend.
Und zwar als eine Tugend, die aus dem Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der Vollkommenheit hervorgehen kann. Demut ist die freie Einsicht in meine Unvollkommenheit, in meine Fehlerhaftigkeit, in meine Begrenztheit – in mein menschliches Maß.
Deshalb gilt Demut als Gegenteil von Hochmut.
Unsere Vorfahren unterschieden zwischen „falscher“ Demut und „wahrer“ Demut.
„Falsche Demut“ ist ein Verhalten, das nur demütig erscheint und oft mit eigentlichem Stolz daherkommt.
Falsche Demut ist auch „sklavischer Sinn„.

Wahre Demut dagegen ist die freie Einsicht, dass ich als Mensch begrenzt bin, dass ich für mich Unerreichbares akzeptiere, dass ich mein menschliches Maß akzeptiere, schlicht, dass ich mein Menschsein annehme.
So lerne ich bei den Vorfahren.

Demut also als Ausdruck von Freiheit, nicht als Ausdruck von Unterdrückung und sklavischem Geist.
Das ist eine interessante Spur.

In diesem Sinne bittet schon die Alte Kirche um Demut:
Mir möge in meinem Leben die freie Einsicht meiner Begrenzung durch Größeres geschenkt werden. Nicht als erniedrigende, gewissermaßen erzwungene Akzeptanz von etwas, das ich ohnehin nicht ändern kann, sondern als freie Einsicht beim Nachdenken über das Wesen des Menschen.

In unserer Leistungsgesellschaft, die uns weismachen will, alles sei uns möglich, der Mensch sei außer vom Tod durch nichts begrenzt, wenn er denn nur wolle, ist eine solche Bitte mindestens ungewöhnlich, wenn nicht gar unerhört.
In unserer Leistungsgesellschaft, die uns weismachen will, dem Tüchtigen stünden alle Türen offen, ist die Bitte um Demut eine Torheit.
Die eigentliche Torheit jedoch ist der Glaube, uns sei alles möglich, wir seien „unbegrenzt“.
Menschen, die von ihrer Begrenzung nicht wissen, von ihr auch nichts wissen wollen und folglich glauben, ihnen sei alles möglich, solche Menschen sind gefährlich. Für sich selbst und für ihre Mitwelt, die Natur eingeschlossen.
Denn sie haben ihr menschliches Maß verloren. Sie glauben, sie seien wie ein Gott.

Demut als die freie Einsicht in mein menschliches Maß.
Diese Einsicht gibt mir noch weitere, größere Freiheit, diese Einsicht öffnet ein weiters Tor.
Die Freiheit, zu meiner Begrenzung zu stehen. Ich brauche mich nicht zu überfordern. Ich brauche mich nicht zu „perfektionieren“, brauche nicht „perfekt“ zu sein, weil ich nicht perfekt sein kann.
Aus dieser freien Einsicht entsteht Fröhlichkeit und Gelassenheit. Es ist die „fröhliche Gelassenheit der Kinder Gottes“, wie Luther es mal gesagt hat.
Und es entsteht Selbst-Bewusstsein. Demut ist ein Ausdruck von Selbstbewusstsein.
Und aus Gelassenheit und Selbst-Bewusstsein entsteht Mut.

Deshalb heißt das alte Wort ja auch De-Mut.
Das alte Wort „Demut“ birgt bei genauerem Hinsehen in sich eine ganze Kette von Einsichten.
Dieses alte Wort ist wie eine Leiter, die mich weiter bringt.
Aus der freien Einsicht meiner Begrenzung und Unvollkommenheit entsteht eine fröhliche Gelassenheit, die mich hin und wieder auch mutig sein lässt, Grenzen, die mir andere, ebenso unvollkommene Menschen wie ich, setzen wollen, zu überschreiten.

Nach Erich Fromm (Die Kunst des Liebens) ist Demut die der Vernunft und Objektivität entsprechende emotionale Haltung als Voraussetzung der Überwindung des eigenen Narzissmus. Demut also als Voraussetzung, mich dem anderen Menschen zuzuwenden.

Die Alte Kirche sagt: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ („Gnade“ meint ein „reiches Leben“, nicht zu verwechseln mit materiellem Reichtum).
Ich verstehe das alte Wort „Demut“ jetzt besser. Es ist ein weises Wort.

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Der Lehrmeister


Die berühmteste Schule der Antike war ein Garten. Epikur hatte ihn angelegt. In dieser Schule wurden Diplomaten und andere „Führungskräfte“ ausgebildet. Die Schule bestand über 800 Jahre. Da war keine Technik, kein Firlefanz, keine Fördermittel, keine Staatsknete. Da war ein Garten. Genauer: ein Küchengarten, in dem Petersilie wuchs und Zwiebeln wohl auch.
Gärten können zu Lehrmeistern werden. Man lernt Wesentliches:
Geduld zum Beispiel. Wenn man an einer Blume zieht, wächst sie doch nicht schneller……
Toleranz kann man lernen. Und Kooperationsbereitschaft. Vertrauen kann man lernen und Risikofreude.

Auf frisch gepflügtem Feld wurde der Garten 2012 mit Sägespänen angezeichnet

Auf frisch gepflügtem Feld wurde der Garten 2012 mit Sägespänen angezeichnet

All das hat sich bestätigt, seit wir im Frühjahr 2012 den Internet-Garten angelegt haben.
Wir hatten nichts, außer der Idee, einen Garten anzulegen, an dem sich viele beteiligen können. Da war kein Geld, da waren keine Ressourcen, da war gar nichts. Nur eine Idee und ein Gedicht. „Nur eine Rose als Stütze“.
Wir brauchten Risikobereitschaft, Mut, Gelassenheit, Geduld, Ausdauer, Kooperationsbereitschaft, Vertrauen.
Das war das eigentliche Kapital.
Und das trägt nun Zinsen. Mehr, als zu hoffen oder gar zu erwarten war.

2016. An der Pergola

2016. An der Pergola

So sieht der Garten im Jahre 2016 aus.
Wir haben Hilfsbereitschaft erfahren. Menschen fanden sich und beteiligten sich. Rosenstiftungen kamen, Handwerker packten zu, Ehrenamtliche organisierten sich und kümmern sich um Pflanzung und Pflege. Viele Stifterinnen und Stifter beteiligten sich mit einer Rose.
Und dann kam das Fernsehen, der Rundfunk, die Zeitungen – und die Besucher.
Über 5.000 waren schon hier, wir gehen nun auf die 6.000 zu, das sind etwa 25 Busse voller Menschen pro Jahr. Sie kommen einzeln oder in kleinen Gruppen und das ist auch gut so, denn wir wollen keinen Massentourismus. Man kann mittlerweile einfaches Quartier finden im Pilgerhaus am Rosengarten; man kann sich weiterbilden in der kleinen Bibliothek, die auch entstanden ist. Man kann versorgt werden im „Rosencafé“ an den Tagen des Offenen Gartens oder in der Nachbarschaft. Da ist viel geworden, an das wir nie im Traum auch nur gedacht hätten.
Der Garten hat uns in der Gemeindeleitung zu einem Leitbild veranlasst. Da haben wir aufgeschrieben, woran wir uns orientieren in unserer Arbeit:

Unser Leitbild
ist nicht der Dom
sondern das Zelt

ist nicht die Sicherheit,
sondern die Wanderschaft

ist nicht die Festung,
sondern der Garten

ist nicht das Dogma,
sondern das Lied

sind nicht behauptete Wahrheiten,
sondern ist die Begegnung

ist nicht der eingemauerte Gott,
sondern der Gott,von dem wir alles, auch Überraschendes erwarten dürfen,

der uns entgegenkommt wie ein Liebender

Hetzels Dorp hat heute etwa 90 Einwohner. Und ist doch bekannt geworden in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und weit darüber hinaus. Weil da dieser Garten ist, der mit Hilfe von einem Laptop entstanden ist.
Was er uns lehrt?
Fang an und vertraue! Alles andre soll dich nicht bekümmern.
Hör auf, dich abzusichern.
Bitte um Unterstützung.
Mach nicht alles allein.
Mit den Worten unserer Vorfahren: „Lass Dir an meiner Gnade genügen“. Und du wirst die Erfahrung machen: sie trägt.
Deshalb ist der Garten weitaus mehr als eine Rosensammlung.
Er ist uns ein Lehrmeister geworden. Ein strenger, gewiss. Denn nicht selten hat er uns den Schweiß ins Gesicht getrieben. Die Lektionen waren nicht einfach. Aber gut.
Ich kenne keinen besseren Lehrmeister. Gerade in einer Zeit, die nicht vom Vertrauen, sondern vom Mißtrauen geprägt ist. Gerade in einer Zeit, die sich gegen alles und vor allem absichern will, die Grenzzäune errichtet und Fremdes abwehren will. Er ist nicht nur ein Protest gegen den Zeitgeist, sondern er lehrt uns, dass es auch anders geht, als man uns weismachen will. Es gibt Alternativen, andere Wege.
Manchmal ist der Pfad schmal und steil, gewiss.
Aber, wenn man ihn geht, hat man die schönere Aussicht.
Man verlässt die Enge des nur Eigenen und der Horizont wird weit.

 

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Alte Wege gehen – Neues entwickeln


Etwa 200 Jahre alter Weg von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal

Etwa 200 Jahre alter Weg von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal

Dieser alte Weg ist vermutlich 200 Jahre alt. Oder sogar noch älter. Er führt von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal. Wenn man noch weitergehen möchte, geht man nach Fahrenholz.
Ich bin diesen alten Weg heute gegangen, um zu erkunden, wie dieser Abschnitt der „Uckermärker Bauerntour“ aussieht, denn für „Das Hecken-Projekt“ ist eine gründliche Bestandsaufnahme sinnvoll. So kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Von Carolinenthal kann man erfahren: der Ort wurde 1745 erstmals urkundlich erwähnt, ist also älter. Es gibt nur ein paar wenige Häuser im kleinen Ort. Bemerkenswert ist der alte Gutshof, der jetzt wieder hergerichtet ist und eine Buchbinderei beherbergt. Man nannte Carolinenthal auch „Mücken-Krug“ oder Guterbocksches Vorwerk. Heute gehört der kleine Ort zur Gemeinde Uckerland, der flächenmäßig größten ländlichen Kommune Brandenburgs.
Von Carolinenthal nach Fahrenholz führt der Weg am Waldrand entlang. Fahrenholz wurde schon 1287 erstmals urkundlich erwähnt. Einer dieser schönen, sehr alten Orte in der Uckermark.

Etwa 200 Jahre hat diese Eiche schon gesehen. Man findet sie am Weg von Fahrenholz nach Carolinenthal (Uckerland)

Etwa 200 Jahre hat diese Eiche schon gesehen. Man findet sie am Weg von Fahrenholz nach Carolinenthal (Uckerland)

Man findet noch wertvolle alte Baumbestände an diesem schönen Abschnitt der „Uckermärker Bauerntour“. Etliche hundert Meter blühende Kastanien, alte Eichen und – sehr besonders an diesem Weg – sehr alte Kopfweiden, die, obwohl sie aus größerer Entfernung wie „Baumruinen“ wirken, doch voller Leben sind.
Wer diesen alten Wegabschnitt aufmerksam geht, wird Felder finden, die mit großen Bäumen eingefaßt sind. Linden, Eichen, Kastanien. „Verwertbares Holz“, denn die Früchte wurden oftmals für die Tiermast eingesetzt. Die Bauern konnten rechnen. Deshalb schützten sie ihre Äcker vor Erosion und sie pflanzten, was nützlich war. Das ist heute oft anders. Da denkt man kurzfristiger, richtet sich nach der „Marktlage“ und nicht nach den Bedarfen kommender Generationen.

alte Straße von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal. Rechts mit Baumbestand, links mit Schlehenhecke. Die Straße und einzelne, noch erhaltene Bäume sind etwa 200 Jahre alt

alte Straße von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal. Rechts mit Baumbestand, links mit Schlehenhecke. Die Straße und einzelne, noch erhaltene Bäume sind etwa 200 Jahre alt

Unsere Vorfahren haben die alten Wege angelegt und sie bepflanzt. Wir könnten uns sonst nicht an ihrer Schönheit freuen.
Daran kann man denken, wenn man nun daran geht, und die alten, mittlerweile sehr lückenhaft gewordenen Hecken wieder schließt und neue anlegt. Schritt für Schritt wollen wir das tun. Stück um Stück, Abschnitt um Abschnitt. Damit sich unsere Nachfahren einmal daran freuen können.
Wir wollen das nicht alleine tun, sondern haben unser Projekt geöffnet für Menschen, die etwas für ihre Nachkommen tun wollen. So wird ein schönes Gemeinschaftswerk entstehen. Nach und nach. Schritt für Schritt. Abschnitt für Abschnitt.
Und, wenn es gut wird, werden unsere Pflanzungen so, wie die alten Hecken, die man heute noch sehen kann, noch in 200 Jahren zu sehen sein.
Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, können Sie das hier tun.
https://www.betterplace.org/de/projects/42756-das-hecken-projekt-in-uckerland

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Wenn Sie Ihr Testament machen….


Heckenreste. Weg nach Uhlenhof. Hier ist Lückenschluss sinnvoll und ohne weiteres möglich

Heckenreste. Weg nach Uhlenhof. Hier ist Lückenschluss sinnvoll und ohne weiteres möglich

Es gibt Menschen, die wollen am Ende ihres Lebens etwas Sinnvolles hinterlassen.
Doch, die gibt es.
Sie regeln ihren Nachlass, wenn sie noch fit und gut beisammen und bei klarem Verstande sind.
Ich kenne Menschen, die überlegen sich das sehr genau. Ein Teil für die Familie, anderes für gemeinnützige Zwecke.
Es gibt immer mehr Menschen, die wollen, dass sie am Ende ihrer Lebensreise noch etwas für die kommenden Generationen beisteuern können.
Manch einer von den Wohlhabenden gründet deshalb eine Stiftung.
Aber auch Menschen mit einem kleinen Einkommen oder einer kleinen Rente wollen etwas Dauerhaftes tun, etwas Sinnvolles.
Manch einer gibt etwas in eine Stiftung, wieder andere unterstützen ein gemeinnütziges Projekt irgendwo auf der Welt.

Mir begegnen immer wieder Menschen am Ende ihrer Lebensreise, die sehr nachdenklich geworden sind über die Welt, die wir den Jüngeren hinterlassen. Und sie möchten ihr Scherflein dazu beitragen, das die größten Fehler zumindest gemildert werden.

Potenzial: z.B. 53 Kilometer entlang der "Uckermärker Bauerntour" in Uckerland.

Potenzial: z.B. 53 Kilometer entlang der „Uckermärker Bauerntour“ in Uckerland.

Unser „Hecken-Projekt“ gibt dazu Gelegenheit.
Denn wir pflanzen wieder Bäume und Sträucher an alten Wegen. Stellen wieder her, was einmal da war. Reparieren, was mittlerweile geschädigt ist.
Wir leisten damit einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, tun etwas gegen Bodenerosion, speichern Kohlendioxid aus der Atmosphäre und helfen der Natur, sich wieder etwas zu stabilisieren. An einem Rundweg allein in Uckerland sind auf diese Weise 53 Kilometer (!) möglich.

Wenn Sie mögen, können Sie dabei mittun. Abschnitt für Abschnitt, Meter um Meter.
In unserer Nachbarschaft gibt es einen Landwirt, der legt in jedem Jahr (!) einen Kilometer (!) neue Hecken an.
Das ist sein Testament. Das ist sein Nachlass. Das tut er, damit die Kommenden noch eine lebenswerte Welt vorfinden können.

Wenn Sie sich beteiligen wollen, können Sie das zum Beispiel hier:
https://www.betterplace.org/de/projects/42756-das-hecken-projekt-in-uckerland.

 

 

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Schließt die Reihen!


Heckenreste. Weg nach Uhlenhof. Hier ist Lückenschluss sinnvoll und ohne weiteres möglich

Heckenreste. Weg nach Uhlenhof. Hier ist Lückenschluss sinnvoll und ohne weiteres möglich

Das „Hecken-Projekt“ macht Fortschritte. Ein erster Abschnitt ist gepflanzt, ein zweiter ist finanziert, ein dritter bereits zur Hälfte finanziert. Die Abschnitte tragen Kindernamen. „Janine“ und „Fritz“ zum Beispiel.
Wir können im Herbst also weiter pflanzen. Wir konzentrieren uns zunächst auf das Schließen von Lücken. Denn, wie man auf dem Foto sehen kann: noch sind die Reste alter Erosionsschutzstreifen vorhanden und es bietet sich an, zunächst die Reihen wieder zu schließen.
Am vergangenen Wochenende haben wir uns exemplarisch einmal einen alten Feldweg angesehen. Er ist 5 Kilometer lang. Etwa 1 Kilometer ist noch erhalten. Die übrigen 4 Kilometer sind lückenhaft, aber gut durch Lückenschluss wieder zu vervollständigen.
Solche Wege wie den alten Uhlenhofer Weg gibt es etliche nicht nur in Uckerland, sondern überall in Brandenburg.

Deshalb eine Anregung: vielleicht kann die Landesregierung ein „Hecken-Programm“ auflegen, das den Eigentümern hilft, die Reihen wieder zu schließen. In anderen Bundesländern gibt es so etwas bereits. Weshalb nicht auch in Brandenburg?
Mit Hilfe eines solchen Landes-Programms könnten zahlreiche positive Effekte erreicht werden:
1. Sicherung von einfachen Arbeitsplätzen im ländlichen Raum (Zaunbau und Pflanzung sind leicht erlernbar)
2. Erosionsschutz
3. Klimaschutz (Hecken sind CO-2-Speicher!)
4. Erhalt der Artenvielfalt. In alten Hecken haben Biologen bis zu 1300 verschiedene Arten nachgewiesen!

Doch das ist noch Zukunftsmusik.
Wir gehen Schritt für Schritt vor. Beginnen mit Kirchen-Land, sprechen mit den Pächtern, definieren gemeinsam die sinnvollen Abschnitte, die ohne Verlust an genutztem Ackerboden wieder herstellbar sind. Schritt für Schritt, Abschnitt für Abschnitt.

Das ganze Projekt ist so angelegt, dass man sich daran beteiligen kann.
5 Quadratmeter Hecke kosten (inklusive Zaunbau) etwa 13 Euro, also etwa soviel wie ein schöner Blumenstrauß.
Wer also mal ein „besonderes Geschenk“ verschenken will, kann etwas für den Klima- und Artenschutz tun. Dafür haben wir bei betterplace.org eine Projektseite eingerichtet.
Spendenquittungen erhält der Spender via betterplace, eine Pflanzurkunde – wir haben sie „Baum & Hecken-Aktie“ genannt – kommt per Post von uns.

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Dimensionen des Wandels – es gibt keine Ausreden mehr


Alte Schlehen-Hecke bei Güterberg (Uckerland)

Alte Schlehen-Hecke bei Güterberg (Uckerland)

Wir pflanzen auf unserem Land. Aus gutem Grund.
Denn der Klimawandel geht mit einem Tempo vor sich, dass einem der Atem stocken könnte. Wir sind verpflichtet zu handeln. Wir sind es unseren Kindern und Enkeln schuldig. Es gibt keine Ausreden mehr. 
Morgens ist in Uckerland Lektüre-Zeit. Deshalb habe ich mir eine Studie angesehen, die das Max-Planck-Institut für Chemie (Deutschland) und das Cyprus-Institut in Nicosia (Griechenland) veröffentlicht hat.
Zwei Annahmen liegen der Prognose bis 2050 zugrunde (das ist schon in 34 Jahren!)
a) Es gelingt der Weltgemeinschaft tatsächlich, die CO2-Emissionen so zu begrenzen, das die weltweite Durchschnittstemperatur nicht mehr als 2 Grad ansteigt. Selbst dann wäre die beschriebene Region von katastrophalen Hitzewellen heimgesucht.
b) alles läuft weiter wie bisher: dann steigt die Durchschnitts-Temperatur um 4 Grad.
Das aber hält der Mensch nicht mehr aus.

Das aber macht große Teile Nordafrikas und des Nahen Ostens unbewohnbar.
500 Millionen Menschen leben in dieser Region. Und sie werden sich auf den Weg machen.
Israel wird betroffen sein: all die Jahrzehnte, die der Jüdische Nationalfonds in mühsamer Arbeit in Bewaldung investiert hat – vergeblich.
Jordanien wird betroffen sein. Dort sind die Bedingungen schon jetzt katastrophal.
Nordafrika – von dort kommen jetzt schon die boat people.

2050.
Das ist in 34 Jahren. Eine winzige Zeitspanne. Ein Wimpernschlag.
Unsere Gesellschaften aber dümpeln vor sich hin, nur mit sich selbst beschäftigt, nur auf den eigenen Wohlstand bedacht – dass einen das blanke Entsetzen packen kann.

Ich weiß wohl, dass sich auch etwas tut in der Welt.
Die divestment-Bewegung macht Fortschritte. Mehrere Billionen (!) Dollar sind bereits aus Kohle-Investments abgezogen worden, obwohl die weltweite Kampagne noch relativ jung ist.
Erneuerbare Energien werden – auch in China und Indien – in großem Maßstab eingesetzt. Selbst Saudi-Arabien bereitet sich auf den Ausstieg aus dem Ölgeschäft vor.

Allerdings: die Zeit reicht voraussichtlich nicht mehr. Denn Investitionen in Erneuerbare benötigen ebenso Zeit wie gesellschaftliche Prozesse des Umdenkens.
Pflanzungen benötigen ebenfalls Zeit, bis sie ihre volle Wirkung entfalten können. Etwa 20 – 30 Jahre braucht eine neue Pflanzung dafür.

Wer eher pessimistisch veranlagt ist, wird angesichts dieser gewaltigen Dimensionen des Wandels sagen: Die Erneuerbaren, die Aufforstung, das Divestment – alles gut gemeint, aber: Zu spät.
Lasst uns noch ein paar Jahre feiern. Nach uns die Dürre.

In trüben Momenten fliegen mich derlei Gedanken auch an, ich sag es offen.
Dann allerdings gehe ich zurück in den gegenwärtigen Moment. Den nur den „haben“ wir, flüchtig, wie er ist.
Was also kann ich heute tun? Gestern ist vergangen und was morgen sein wird, kann ich nicht wissen. Ich habe nur den heutigen Tag. Was also kann ich tun?
Ich kann die Pflanzungen weiter vorbereiten, die für den Herbst auf Kirchenland vorgesehen sind.
Denn: wir haben Verantwortung. Es gibt keine Ausreden mehr.
Wer sich beteiligen will, kann das hier tun.

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Das „Hecken-Projekt“ nimmt Fahrt auf.


Die ersten Uckerländer Baum- und Hecken-Aktien sind gezeichnet. 3.5.2016

Die ersten Uckerländer Baum- und Hecken-Aktien sind gezeichnet. 3.5.2016

Ich bin immer wieder erstaunt, wie schnell sich ein Projekt entwickeln kann, wenn man das Internet zur Unterstützung hat.
Abschnitt 1 von unserem Hecken-Projekt ist ja mittlerweile realisiert. Wir haben davon berichtet.
Abschnitt 2 („Jasmin“) ist via betterplace bereits finanziert, kann also im Herbst gepflanzt werden. In dieser Woche verschicken wir die „Uckerländer Baum-&Hecken-Aktien“ als Dank an die Spenderinnen und Spender.
Abschnitt 3 („Fritz“) ist zur Hälfte auch bereits finanziert, steht also auch auf der Pflanzliste.
Abschnitt 4 („Jörg“) kann nun auch mit dem Pächter besprochen werden, denn Landesminister Jörg Vogelsänger hat uns dafür Mittel in Aussicht gestellt.

Gleichzeitig kam heute die Nachricht aus Sachsen-Anhalt: dort fördert man den Lückenschluss bei Hecken und die Neuanlage von Hecken bis zu 100.000 Euro pro Projekt mit 100%.

Im Netz hat sich eine kleine Unterstützergruppe gebildet, die das Projekt durch „Teilen“, weitersagen, eigene Spenden etc. unterstützt.

Die Zeitung hat mittlerweile berichtet, das Lokalfernsehen auch.

Wenn sich das Projekt in diesem Tempo weiterentwickelt (wir haben erst vor 14 Tagen begonnen!), werden wir wohl demnächst einen kleinen Planungsstab benötigen.

Herzlichen Dank an alle, die sich mit ihren Beiträgen beteiligen.

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