Wider die Völkischen. Ein oral history Projekt gegen die Unvernunft


Die „Völkischen“ machen wieder mobil. Sie kommen aus allen Ecken, verbünden sich, organisieren sich. Sie hetzen gegen Politik, Parlament, „die da oben“, gegen vermeintliche „Eliten“. Das „Fremde“ soll wieder „raus aus unserem Vaterland“, da wird wieder was von einem „afrikanischen Ausbreitungstyp“ gefaselt (Höcke). Man reibt sich die Ohren.
Vielleicht ist es ja hilfreich, in einer solchen Situation die Generation zu befragen, die selbst erlebt hat, was bei solchem Denken am Ende herauskommt.
Deshalb haben wir hier bei uns auf dem Lande ein oral-history-Projekt begonnen, ein Projekt der „mündlichen Geschichtsschreibung“. Ich führe Interviews von etwa jeweils einer Stunde, manchmal auch mehr und dokumentiere diese Gespräche auf CD. Ein Exemplar bekommt der Gesprächspartner, ein Exemplar landet im Pfarrarchiv. Ein Ausschnitt des jeweiligen Gesprächs wird veröffentlicht.
Ich spreche vor allem mit der Generation der Kriegskinder. Derjenigen Menschen also, die am Ende des Zweiten Weltkriegs Kinder oder noch Jugendliche waren. Männer, die im Alter von 16 Jahren zusammen mit dem Volkssturm noch das „Vaterland retten“ sollten und dann in kurzen Hosen über lange Kilometer am Ende des Krieges wieder nach Hause in ihr Heimatdorf liefen.
Der Zweite Weltkrieg ist (neben anderen Ursachen) eben auch ein Ergebnis völkischen Denkens. Und deshalb ist es nicht unwichtig, von denen zu hören, die als Zeitzeugen berichten können, wie man ihnen, da waren sie noch Kinder, die Pistole an die Schläfe gehalten hat. Oder wie sie die vielen vielen toten Soldaten in den Straßengräben gesehen haben. Oder wie sie auf der Flucht gesehen haben, wie ganze Familien bei der Flucht übers Stettiner Haff einfach im Eis einbrachen und in den Fluten versanken.
Ich füge hier nun ein paar kurze Beispiele solcher Interviews ein. Mehr davon kommt nach und nach auf unserem Audioboom-Kanal. Man kann ihn abonnieren, wenn man möchte. Da die Interviews ohne großen technischen Aufwand aufgezeichnet wurden, empfiehlt sich beim Anhören die Verwendung eines Kopfhörers.

Noch leben diese Zeitzeugen. Noch kann man sie befragen.
Wir versuchen mit unserem Projekt, ihr Wissen aufzubewahren.
Damit nicht eine geschichtslose Generation wieder mit etwas beginnt, an dessen Ende nur Not und Elend stehen.
Den Versuch ist es wert.
Ich will mich bei der Gelegenheit bei all meinen Gesprächspartner bedanken, die uns ihr Wissen und ihre Lebenserfahrung zur Verfügung stellen.

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Warum podcast? Erfahrungen aus Uckerland


Heute habe ich unseren audioboom-Kanal aufgefrischt. Ich hatte ihn seit einiger Zeit in Nutzung, aber noch nicht so, wie das jetzt werden soll.
Über diesen Weg können wir nämlich direkt die Haushalte in allen Dörfern erreichen, denn: man kann ihn direkt auf der Seite abonnieren und bekommt auf diese Weise jeden neuen Beitrag direkt zum Anhören auf das Handy. Ich hab das zuerst bei facebook getestet: es funktioniert wunderbar.
Kirchen-Radio also. So eine Art jedenfalls.
Die Technik dafür ist simpel: ich verwende ein kleines Stero-Aufnahmegerät von Sony, dazu die Software digital voice editor 3.
Die Schritte zum eigenen podcast sind simpel:
1. Aufnehmen
2. auf den Laptop überspielen (einfach per Kabel)
3. als MP3 sichern
Nun gehe ich auf meine audioboom-Seite und drücke „record“, also „aufnehmen“. Angeboten wird mir ein Aufnehmen direkt vom Laptop oder das Hochladen einer Datei. Ich verwende natürlich die Datei, die ich grad aufgenommen habe und lade sie hoch.
4. Wenn ich will, schreibe ich kurz was dazu. Fertig.
Nach 2 Minuten geht ein 2 oder 3 Minuten-Beitrag via facebook in die Welt.

Weshalb ist das für Kirchgemeinden interessant?
Zwei Gründe hab ich:
1. Die dörfliche Gemeinde ist groß, die Entfernungen sind weit, man sieht sich relativ selten. Via audioboom können wir aber im Kontakt bleiben, weil diese Software überall, unterwegs, am Bus, auf dem Schulhof, zu Hause auch per Handy genutzt werden kann (auf dem Laptop oder PC natürlich).
2. Glaube ist eine überaus persönliche Angelegenheit. Jeder Mensch glaubt anders.
Deshalb ist die menschliche Stimme, dem geschriebenen Wort vorzuziehen. Denn hier spricht ein konkreter Mensch mit einer unverwechselbaren, eben seiner Stimme.
Und, da die eigentliche „Währung“ im Internet die Authentizität ist, die „Echtheit“ also, bietet sich nichts mehr an, als die eigene Stimme.

Eine schöne neue Erfahrung, die uns neue Möglichkeiten erschließt, mit den Menschen hier auf dem Lande in Kontakt zu kommen und im Kontakt zu bleiben. Auch können wir auf diesem Weg kranke Menschen erreichen, oder Menschen, die nicht mehr so gut lesen können. Und sie können dann zum Beispiel die Orgel der Dorfkirche hören, in der sie mal getauft oder konfirmiert wurden oder geheiratet haben.
Hier ein Beispiel.

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Klimawandel konkret: Uckermark


Wenn mir die alteingesessenen Einwohner sagen, „So etwas haben wir noch nicht erlebt!“ dann ist es etwas Besonderes. Gleich hinter dem alten Pfarrhaus fließt der Bach, man nennt ihn den „Köhntopp“. Der ist jetzt im September völlig ausgetrocknet. Nichts mehr. Gar nichts.
Und vom Tollensesee ist in der Zeitung zu lesen, dass der Wasserspiegel um mindestens 25 Zentimeter gefallen ist, was den Ausflugsdampfern mittlerweile zu schaffen macht.
Die Zeitung warnt heute auch vor starkem Wind, der zu „Staubstürmen“ führen kann. Wir hatten im Jahre 2011 bei Rostock schon einen verheerenden Unfall aus diesen Gründen. Das Stichwort heißt Erosion.
Einige Bauern haben die Herbstbestellung ihrer Felder eingestellt, weil sie selbst mit schwerstem Gerät nicht mehr in die Erde kommen, so tief ist sie ausgetrocknet und hart wie Beton.

Das alles sind Hinweise darauf, was uns Klimafolgenforscher in Potsdam seit längerem sagen: das Klima ändert sich bereits und zwar dergestalt, dass in Ostdeutschland Dürre droht. Insbesondere in der Uckermark.

Man muss jetzt handeln.
Die Landesregierungen brauchen einen Plan, nach dem sie vorgehen wollen. Denn es wartet eine Menge Arbeit. Einen solchen Plan gibt es bislang nicht.
Rückhaltebecken müssen angelegt, Zisternen gebaut, neue Hecken und Windschutzstreifen gepflanzt werden.
Man muss sich jetzt mit den Wasserzweckverbänden zusammensetzen und konkret besprechen, wie man sich auf den Rückgang des Wassers in den Sommer- und Herbstmonaten einstellen will. Da wird man eine Menge Sachverstand organisieren müssen.  Und Geld für Investitionen. Handlungsbedarf für Umwelt-, Infrastruktur- und Landwirtschaftsministerien.

Die Landwirte selbst werden andere Anbaumethoden brauchen, klimaverträglichere. Andere Pflanzen inbegriffen, die Trockenheit besser vertragen als die üblichen Mais- und Rapsschläge.
Man wird auch andere Bewässerungsmethoden benötigen, sofern man überhaupt Grundwasser zur Verfügung hat. Wer im Nordwesten der Uckermark lebt, weiß, dass der Zugang zu einem eigenen Brunnen überhaupt nicht selbstverständlich ist.

Wir als Kirchgemeinde haben begonnen, neue Windschutzstreifen und Hecken anzulegen. Das Projekt zieht mittlerweile Kreise, die Kommune hat das Problem der Erosion erkannt und will ihren Beitrag leisten, Gespräche mit Vertretern der Landesregierung zeigen, auch hier kommt das Thema „Klimawandel in Brandenburg“ allmählich an.

Aber: Wir haben keine Zeit zu verlieren. Wir müssen jetzt in Vorsorge investieren, denn im Moment geben die Haushalte noch gewisse Spielräume her, diese Investitionen  vorzunehmen.

Wer hofft, die Lage könnte sich wieder verbessern und trockene Jahre habe es „früher auch schon gegeben“, der irrt.
Denn mit dem Klimawandel hat ein Prozess begonnen, dessen Beginn wir grad erleben und dessen „Ende“ so lange nicht erreicht ist, wie die Emissionen steigen. Und sie steigen. Nach wie vor. Die Situation wird also nicht besser werden, eher im Gegenteil, darauf deuten alle Modellrechnungen hin, die am Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung vorliegen.

Jetzt müssen sich Landesregierung und Wasserzweckverbände zusammensetzen.
Jetzt müssen Landwirte und Ministerien gemeinsam überlegen, wie es weitergehen kann.
Jetzt muss investiert werden.
Die Zeit läuft.

 

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Alten Worten nachdenken: Demut


Alte Worte sind klüger als wir, denn sie sammeln in sich mehr Erfahrung, als wir in unserem kurzen Leben ansammeln können. Deshalb lohnt es, ihnen nachzudenken.
Wenn ich „Demut“ höre, fällt mir zunächst „Demütigung“ ein. Im Sinne von Erniedrigung.
Aber genau das ist nicht gemeint.
Ich spüre diesem alten Wort also weiter nach, lese und lerne:
Demut gilt als Tugend.
Und zwar als eine Tugend, die aus dem Bewusstsein unendlichen Zurückbleibens hinter der Vollkommenheit hervorgehen kann. Demut ist die freie Einsicht in meine Unvollkommenheit, in meine Fehlerhaftigkeit, in meine Begrenztheit – in mein menschliches Maß.
Deshalb gilt Demut als Gegenteil von Hochmut.
Unsere Vorfahren unterschieden zwischen „falscher“ Demut und „wahrer“ Demut.
„Falsche Demut“ ist ein Verhalten, das nur demütig erscheint und oft mit eigentlichem Stolz daherkommt.
Falsche Demut ist auch „sklavischer Sinn„.

Wahre Demut dagegen ist die freie Einsicht, dass ich als Mensch begrenzt bin, dass ich für mich Unerreichbares akzeptiere, dass ich mein menschliches Maß akzeptiere, schlicht, dass ich mein Menschsein annehme.
So lerne ich bei den Vorfahren.

Demut also als Ausdruck von Freiheit, nicht als Ausdruck von Unterdrückung und sklavischem Geist.
Das ist eine interessante Spur.

In diesem Sinne bittet schon die Alte Kirche um Demut:
Mir möge in meinem Leben die freie Einsicht meiner Begrenzung durch Größeres geschenkt werden. Nicht als erniedrigende, gewissermaßen erzwungene Akzeptanz von etwas, das ich ohnehin nicht ändern kann, sondern als freie Einsicht beim Nachdenken über das Wesen des Menschen.

In unserer Leistungsgesellschaft, die uns weismachen will, alles sei uns möglich, der Mensch sei außer vom Tod durch nichts begrenzt, wenn er denn nur wolle, ist eine solche Bitte mindestens ungewöhnlich, wenn nicht gar unerhört.
In unserer Leistungsgesellschaft, die uns weismachen will, dem Tüchtigen stünden alle Türen offen, ist die Bitte um Demut eine Torheit.
Die eigentliche Torheit jedoch ist der Glaube, uns sei alles möglich, wir seien „unbegrenzt“.
Menschen, die von ihrer Begrenzung nicht wissen, von ihr auch nichts wissen wollen und folglich glauben, ihnen sei alles möglich, solche Menschen sind gefährlich. Für sich selbst und für ihre Mitwelt, die Natur eingeschlossen.
Denn sie haben ihr menschliches Maß verloren. Sie glauben, sie seien wie ein Gott.

Demut als die freie Einsicht in mein menschliches Maß.
Diese Einsicht gibt mir noch weitere, größere Freiheit, diese Einsicht öffnet ein weiters Tor.
Die Freiheit, zu meiner Begrenzung zu stehen. Ich brauche mich nicht zu überfordern. Ich brauche mich nicht zu „perfektionieren“, brauche nicht „perfekt“ zu sein, weil ich nicht perfekt sein kann.
Aus dieser freien Einsicht entsteht Fröhlichkeit und Gelassenheit. Es ist die „fröhliche Gelassenheit der Kinder Gottes“, wie Luther es mal gesagt hat.
Und es entsteht Selbst-Bewusstsein. Demut ist ein Ausdruck von Selbstbewusstsein.
Und aus Gelassenheit und Selbst-Bewusstsein entsteht Mut.

Deshalb heißt das alte Wort ja auch De-Mut.
Das alte Wort „Demut“ birgt bei genauerem Hinsehen in sich eine ganze Kette von Einsichten.
Dieses alte Wort ist wie eine Leiter, die mich weiter bringt.
Aus der freien Einsicht meiner Begrenzung und Unvollkommenheit entsteht eine fröhliche Gelassenheit, die mich hin und wieder auch mutig sein lässt, Grenzen, die mir andere, ebenso unvollkommene Menschen wie ich, setzen wollen, zu überschreiten.

Nach Erich Fromm (Die Kunst des Liebens) ist Demut die der Vernunft und Objektivität entsprechende emotionale Haltung als Voraussetzung der Überwindung des eigenen Narzissmus. Demut also als Voraussetzung, mich dem anderen Menschen zuzuwenden.

Die Alte Kirche sagt: „Gott widersteht den Hochmütigen, aber den Demütigen gibt er Gnade.“ („Gnade“ meint ein „reiches Leben“, nicht zu verwechseln mit materiellem Reichtum).
Ich verstehe das alte Wort „Demut“ jetzt besser. Es ist ein weises Wort.

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Der Lehrmeister


Die berühmteste Schule der Antike war ein Garten. Epikur hatte ihn angelegt. In dieser Schule wurden Diplomaten und andere „Führungskräfte“ ausgebildet. Die Schule bestand über 800 Jahre. Da war keine Technik, kein Firlefanz, keine Fördermittel, keine Staatsknete. Da war ein Garten. Genauer: ein Küchengarten, in dem Petersilie wuchs und Zwiebeln wohl auch.
Gärten können zu Lehrmeistern werden. Man lernt Wesentliches:
Geduld zum Beispiel. Wenn man an einer Blume zieht, wächst sie doch nicht schneller……
Toleranz kann man lernen. Und Kooperationsbereitschaft. Vertrauen kann man lernen und Risikofreude.

Auf frisch gepflügtem Feld wurde der Garten 2012 mit Sägespänen angezeichnet

Auf frisch gepflügtem Feld wurde der Garten 2012 mit Sägespänen angezeichnet

All das hat sich bestätigt, seit wir im Frühjahr 2012 den Internet-Garten angelegt haben.
Wir hatten nichts, außer der Idee, einen Garten anzulegen, an dem sich viele beteiligen können. Da war kein Geld, da waren keine Ressourcen, da war gar nichts. Nur eine Idee und ein Gedicht. „Nur eine Rose als Stütze“.
Wir brauchten Risikobereitschaft, Mut, Gelassenheit, Geduld, Ausdauer, Kooperationsbereitschaft, Vertrauen.
Das war das eigentliche Kapital.
Und das trägt nun Zinsen. Mehr, als zu hoffen oder gar zu erwarten war.

2016. An der Pergola

2016. An der Pergola

So sieht der Garten im Jahre 2016 aus.
Wir haben Hilfsbereitschaft erfahren. Menschen fanden sich und beteiligten sich. Rosenstiftungen kamen, Handwerker packten zu, Ehrenamtliche organisierten sich und kümmern sich um Pflanzung und Pflege. Viele Stifterinnen und Stifter beteiligten sich mit einer Rose.
Und dann kam das Fernsehen, der Rundfunk, die Zeitungen – und die Besucher.
Über 5.000 waren schon hier, wir gehen nun auf die 6.000 zu, das sind etwa 25 Busse voller Menschen pro Jahr. Sie kommen einzeln oder in kleinen Gruppen und das ist auch gut so, denn wir wollen keinen Massentourismus. Man kann mittlerweile einfaches Quartier finden im Pilgerhaus am Rosengarten; man kann sich weiterbilden in der kleinen Bibliothek, die auch entstanden ist. Man kann versorgt werden im „Rosencafé“ an den Tagen des Offenen Gartens oder in der Nachbarschaft. Da ist viel geworden, an das wir nie im Traum auch nur gedacht hätten.
Der Garten hat uns in der Gemeindeleitung zu einem Leitbild veranlasst. Da haben wir aufgeschrieben, woran wir uns orientieren in unserer Arbeit:

Unser Leitbild
ist nicht der Dom
sondern das Zelt

ist nicht die Sicherheit,
sondern die Wanderschaft

ist nicht die Festung,
sondern der Garten

ist nicht das Dogma,
sondern das Lied

sind nicht behauptete Wahrheiten,
sondern ist die Begegnung

ist nicht der eingemauerte Gott,
sondern der Gott,von dem wir alles, auch Überraschendes erwarten dürfen,

der uns entgegenkommt wie ein Liebender

Hetzels Dorp hat heute etwa 90 Einwohner. Und ist doch bekannt geworden in Deutschland, in Österreich, in der Schweiz und weit darüber hinaus. Weil da dieser Garten ist, der mit Hilfe von einem Laptop entstanden ist.
Was er uns lehrt?
Fang an und vertraue! Alles andre soll dich nicht bekümmern.
Hör auf, dich abzusichern.
Bitte um Unterstützung.
Mach nicht alles allein.
Mit den Worten unserer Vorfahren: „Lass Dir an meiner Gnade genügen“. Und du wirst die Erfahrung machen: sie trägt.
Deshalb ist der Garten weitaus mehr als eine Rosensammlung.
Er ist uns ein Lehrmeister geworden. Ein strenger, gewiss. Denn nicht selten hat er uns den Schweiß ins Gesicht getrieben. Die Lektionen waren nicht einfach. Aber gut.
Ich kenne keinen besseren Lehrmeister. Gerade in einer Zeit, die nicht vom Vertrauen, sondern vom Mißtrauen geprägt ist. Gerade in einer Zeit, die sich gegen alles und vor allem absichern will, die Grenzzäune errichtet und Fremdes abwehren will. Er ist nicht nur ein Protest gegen den Zeitgeist, sondern er lehrt uns, dass es auch anders geht, als man uns weismachen will. Es gibt Alternativen, andere Wege.
Manchmal ist der Pfad schmal und steil, gewiss.
Aber, wenn man ihn geht, hat man die schönere Aussicht.
Man verlässt die Enge des nur Eigenen und der Horizont wird weit.

 

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Alte Wege gehen – Neues entwickeln


Etwa 200 Jahre alter Weg von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal

Etwa 200 Jahre alter Weg von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal

Dieser alte Weg ist vermutlich 200 Jahre alt. Oder sogar noch älter. Er führt von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal. Wenn man noch weitergehen möchte, geht man nach Fahrenholz.
Ich bin diesen alten Weg heute gegangen, um zu erkunden, wie dieser Abschnitt der „Uckermärker Bauerntour“ aussieht, denn für „Das Hecken-Projekt“ ist eine gründliche Bestandsaufnahme sinnvoll. So kann man das Angenehme mit dem Nützlichen verbinden. Von Carolinenthal kann man erfahren: der Ort wurde 1745 erstmals urkundlich erwähnt, ist also älter. Es gibt nur ein paar wenige Häuser im kleinen Ort. Bemerkenswert ist der alte Gutshof, der jetzt wieder hergerichtet ist und eine Buchbinderei beherbergt. Man nannte Carolinenthal auch „Mücken-Krug“ oder Guterbocksches Vorwerk. Heute gehört der kleine Ort zur Gemeinde Uckerland, der flächenmäßig größten ländlichen Kommune Brandenburgs.
Von Carolinenthal nach Fahrenholz führt der Weg am Waldrand entlang. Fahrenholz wurde schon 1287 erstmals urkundlich erwähnt. Einer dieser schönen, sehr alten Orte in der Uckermark.

Etwa 200 Jahre hat diese Eiche schon gesehen. Man findet sie am Weg von Fahrenholz nach Carolinenthal (Uckerland)

Etwa 200 Jahre hat diese Eiche schon gesehen. Man findet sie am Weg von Fahrenholz nach Carolinenthal (Uckerland)

Man findet noch wertvolle alte Baumbestände an diesem schönen Abschnitt der „Uckermärker Bauerntour“. Etliche hundert Meter blühende Kastanien, alte Eichen und – sehr besonders an diesem Weg – sehr alte Kopfweiden, die, obwohl sie aus größerer Entfernung wie „Baumruinen“ wirken, doch voller Leben sind.
Wer diesen alten Wegabschnitt aufmerksam geht, wird Felder finden, die mit großen Bäumen eingefaßt sind. Linden, Eichen, Kastanien. „Verwertbares Holz“, denn die Früchte wurden oftmals für die Tiermast eingesetzt. Die Bauern konnten rechnen. Deshalb schützten sie ihre Äcker vor Erosion und sie pflanzten, was nützlich war. Das ist heute oft anders. Da denkt man kurzfristiger, richtet sich nach der „Marktlage“ und nicht nach den Bedarfen kommender Generationen.

alte Straße von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal. Rechts mit Baumbestand, links mit Schlehenhecke. Die Straße und einzelne, noch erhaltene Bäume sind etwa 200 Jahre alt

alte Straße von Strasburg (Uckermark) nach Carolinenthal. Rechts mit Baumbestand, links mit Schlehenhecke. Die Straße und einzelne, noch erhaltene Bäume sind etwa 200 Jahre alt

Unsere Vorfahren haben die alten Wege angelegt und sie bepflanzt. Wir könnten uns sonst nicht an ihrer Schönheit freuen.
Daran kann man denken, wenn man nun daran geht, und die alten, mittlerweile sehr lückenhaft gewordenen Hecken wieder schließt und neue anlegt. Schritt für Schritt wollen wir das tun. Stück um Stück, Abschnitt um Abschnitt. Damit sich unsere Nachfahren einmal daran freuen können.
Wir wollen das nicht alleine tun, sondern haben unser Projekt geöffnet für Menschen, die etwas für ihre Nachkommen tun wollen. So wird ein schönes Gemeinschaftswerk entstehen. Nach und nach. Schritt für Schritt. Abschnitt für Abschnitt.
Und, wenn es gut wird, werden unsere Pflanzungen so, wie die alten Hecken, die man heute noch sehen kann, noch in 200 Jahren zu sehen sein.
Wenn Sie sich daran beteiligen möchten, können Sie das hier tun.
https://www.betterplace.org/de/projects/42756-das-hecken-projekt-in-uckerland

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Wenn Sie Ihr Testament machen….


Heckenreste. Weg nach Uhlenhof. Hier ist Lückenschluss sinnvoll und ohne weiteres möglich

Heckenreste. Weg nach Uhlenhof. Hier ist Lückenschluss sinnvoll und ohne weiteres möglich

Es gibt Menschen, die wollen am Ende ihres Lebens etwas Sinnvolles hinterlassen.
Doch, die gibt es.
Sie regeln ihren Nachlass, wenn sie noch fit und gut beisammen und bei klarem Verstande sind.
Ich kenne Menschen, die überlegen sich das sehr genau. Ein Teil für die Familie, anderes für gemeinnützige Zwecke.
Es gibt immer mehr Menschen, die wollen, dass sie am Ende ihrer Lebensreise noch etwas für die kommenden Generationen beisteuern können.
Manch einer von den Wohlhabenden gründet deshalb eine Stiftung.
Aber auch Menschen mit einem kleinen Einkommen oder einer kleinen Rente wollen etwas Dauerhaftes tun, etwas Sinnvolles.
Manch einer gibt etwas in eine Stiftung, wieder andere unterstützen ein gemeinnütziges Projekt irgendwo auf der Welt.

Mir begegnen immer wieder Menschen am Ende ihrer Lebensreise, die sehr nachdenklich geworden sind über die Welt, die wir den Jüngeren hinterlassen. Und sie möchten ihr Scherflein dazu beitragen, das die größten Fehler zumindest gemildert werden.

Potenzial: z.B. 53 Kilometer entlang der "Uckermärker Bauerntour" in Uckerland.

Potenzial: z.B. 53 Kilometer entlang der „Uckermärker Bauerntour“ in Uckerland.

Unser „Hecken-Projekt“ gibt dazu Gelegenheit.
Denn wir pflanzen wieder Bäume und Sträucher an alten Wegen. Stellen wieder her, was einmal da war. Reparieren, was mittlerweile geschädigt ist.
Wir leisten damit einen Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt, tun etwas gegen Bodenerosion, speichern Kohlendioxid aus der Atmosphäre und helfen der Natur, sich wieder etwas zu stabilisieren. An einem Rundweg allein in Uckerland sind auf diese Weise 53 Kilometer (!) möglich.

Wenn Sie mögen, können Sie dabei mittun. Abschnitt für Abschnitt, Meter um Meter.
In unserer Nachbarschaft gibt es einen Landwirt, der legt in jedem Jahr (!) einen Kilometer (!) neue Hecken an.
Das ist sein Testament. Das ist sein Nachlass. Das tut er, damit die Kommenden noch eine lebenswerte Welt vorfinden können.

Wenn Sie sich beteiligen wollen, können Sie das zum Beispiel hier:
https://www.betterplace.org/de/projects/42756-das-hecken-projekt-in-uckerland.

 

 

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