Etwas aus der Washington Post

“Das Ende des Fisches” heißt eine Grafik, die heute über die Washington Post kam.
Zwei Bilder sind zu sehen: eins von 1950 und eins von 2006.
Eine Katastrophe wird sichtbar.
Wir Menschen leben über unsere Verhältnisse, vernichten, was uns eigentlich am Leben erhält. Alle Politik hilft nicht, der Raubbau geht weiter.
Am Ende rufen die Fischer nach Subventionen, das ist es dann auch schon. Aber sehr viele Menschen in sehr vielen Ländern leben vom Fisch. In Afrika habe ich es gesehen, in Indien und Japan auch, in Südamerika ebenso. Ihnen fehlt ein wichtiges Grundlebensmittel. Hunger wird die Folge sein.

Wenn ich solche Nachrichten lese und wirklich in mich aufnehme, fallen mir die alten Texte ein:
“Dann sprach Gott: das Wasser wimmle von lebendigen Wesen, und Vögel sollen über dem Land am Himmelsgewölbe dahinfliegen. Gott schuf alle Arten von großen Seetieren und anderen Lebewesen, von denen das Wasser wimmelt, und alle Arten von gefiederten Vögeln. Gott sah, dass es gut war. Gott segnete sie und sprach: Seid fruchtbar, und vermehrt euch, und bevölkert das Wasser im Meer, und die Vögel sollen sich auf dem Land vermehren. Es wurde Abend, und es wurde Morgen: fünfter Tag.” (Erster Schöpfungsbericht; Genesis 1, 20 – 23; Übersetzung: Jerusalemer Bibel).
Im zweiten Schöpfungsbericht (Genesis 2, 4b folgende) ist von Fischen keine Rede. Das ist der Schöpfungsbericht der Landwirte, Bauern und Gärtner:
“Gott der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten von Eden, damit er ihn bebaue und hüte.”

Nun ist der Fisch alle.
Weil wir uns die Erde untertan gemacht haben (erster Schöpfungsbericht), statt sie zu bebauen und zu hüten (zweiter Schöpfungsbericht). Der “zweite” Schöpfungsbericht ist eigentlich der ältere. Wir hätten auf ihn hören sollen.

“Siehe, es war sehr gut”.
war” steht da.

Ich kann es nicht begreifen, weshalb sich ausgerechnet der vernunftbegabte Mensch, den einer der alten Texte als “Krone der Schöpfung” bezeichnet hat, die Lebensgrundlagen zerstört.
Suizid auf Raten.
Ich kann es nicht begreifen.

Wir sollten den älteren Schöpfungsbericht wieder mehr lesen, den aus der Sicht der Landwirte und Gärtner. Wir sind “in den Garten Eden gesetzt, um ihn zu bebauen und zu hüten”.
Wir haben diese Erde nicht, um sie uns “untertan” zu machen.
“Bebauen und hüten”. Also achtsam mit ihr umgehen, darum geht es.
Aber das ist vermutlich in den Wind gesprochen……

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Der Internet-Garten in Hetzdorf (Uckerland). Garten-Tagebuch. 21. Mai 2012

Das Anlegen des neuen Gartens ging relativ einfach, gemessen an dem, was nun bei der Pflege zu tun ist. Auf dem ausgeruhten ehemaligen Acker wächst das Unkraut schneller als die Rosen, da ist viel Handarbeit nötig. Deshalb habe ich heute meinen freien Tag im Garten verbracht.

Halb sechs in der früh gings los, denn es waren ein paar Schweißtropfen zu erwarten: der Platz der Stille musste umgegraben, planiert, mit Schutzfolie ausgelegt und dann mit Holzschredder ausgestattet werden. Ein Tagewerk.

Bis zum Frühstück halb acht war schon ein gutes Stück geschafft. Der Boden war noch sehr grob, aber mittlerweile schon wieder sehr fest. Etwa 4x4Meter misst die Fläche.

Nach der Pause ging es zügig weiter. Dann waren noch Folien zu besorgen, denn die noch vorhandenen Folien für die Wege erwiesen sich als zu schmal, es wäre Flickwerk geworden. Glücklicherweise war da gerade im rechten Moment Hilfe gekommen. Danke an René Boldt aus Neubrandenburg! Zu zweit lässt sich diese Arbeit eben doch besser erledigen, denn der Wind spielt ja auch ganz gern mit den Folien….

Etwa um 11 zum zweiten Frühstück waren die Folien verlegt und am Boden befestigt. Nun konnte der Holzschredder aufgebracht werden. Da das Geländer zum Bach hin abfällt, musste der Platz ein wenig ausgeglichen werden. Wir haben mehr Schredder gebraucht, als wir hatten. Also bleibt für heute noch ein kleiner Rest von etwa drei Schubkarren. Die werden wir auftragen, wenn frisches Material da ist.
Den frischen Rasenschnitt aber konnten wir gleich als Mulch für die Weißbuchenhecke verwenden, die den Platz einfasst. Damit man eine kleine Vorstellung bekommt, wie der Platz einmal aussehen wird: der Baum in der Mitte wird etwa 4 Meter hoch sein, er hat hängende Zweige, die über und über blühen. Darunter wird es einen Sitzplatz geben. Die Buchen-Hecke wollen wir etwa auf Mannshöhe schneiden. Es wird ein sehr stiller Platz sein, an den man sich zurückziehen kann. Die Hecke ist wie eine Spirale gepflanzt, die sich nach innen dreht. Symbol dafür, “bei sich” anzukommen. Dafür ist dieser Platz im neuen Rosengarten gedacht.

Überraschung am Abend: acht Mann hoch kommen die Hetzdorfer Nachbarn, bewaffnet mit Hacken, Spaten und Harken, um dem Unkraut im rechten  Rosenbeet zu Leibe zu rücken. Ich bin baff. Eine Stunde Arbeit mit neun Leuten, sogar Nachbars Kinder wollen mit helfen. Es gibt einen großen “Ruck” im Garten an diesem Tag (ich erinnere mich dunkel, dass ein Bundespräsident mal von einem solchen gesprochen hat dereinst….). Und danach sitzen wir unter dem Apfelbaum, zu trinken gibt’s und zu Erzählen auch. Es ist ein wundervoller Abend. Gemeinsam arbeiten und gemeinsam fröhlich sein. So ist es gut.

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Red nich viel und nimm deine Kanne…..

Um sechs Uhr in der früh war der alte Nachbar da mitsamt seiner gelben Gießkanne. Stiefelte vom Bach den Hang hinauf, um die Rosen, die Eiben und die Weißbuchen im neuen Garten zu gießen. Gestern Abend schon hatte er es ankündigt: um sechs Uhr würde er da sein. Die Katechetin hatte mit ihm gesprochen, weil sie sich Sorgen macht um den neuen Garten.
Was kann ich tun? Ich ziehe mich an, nehme mir zwei Kannen und von Eingang des Kellers, ziehe die Stiefel an und helfe dem alten Mann.
Frisch ist es am Morgen. „4 Grad hatten wir. Plus“ meint der Nachbar. In Gummihalbschuhen geht er vor mir den Hang hinab, steht mit einem Bein halb im Wasser, es ist rutschig da unten. Füllt seelenruhig erst seine Kanne, schaut sich am Bach um, wartet, bis ich mit meinen zwei leeren Kannen komme, füllt die, reicht sie mir den Hang hoch. Dann gehen wir und tragen das Wasser in den Garten. Zwei Männer bei der Arbeit. 1946 hat man ihn konfirmiert. „Unter dem Apfelbaum hab ich als Konfirmand schon gesessen“ erzählt er mir später, als wir durch den Garten gehen und uns die einzelnen Rosenpflanzungen besehen. „Jo. 1946 war dat.“
Er arbeitet mit großer Selbstverständlichkeit. Die Arbeit ist nicht einfach für den alten Herrn. Stellmacher ist er eigentlich. „Und Sie stehen immer früh auf?“ frage ich ihn. „Gestern haben Sie sowas erzählt? Wann geht’s denn raus am Morgen?“
„Na, so zwischen fünf und sechs“ meint er. „Is ja immer wat zu tun. Denn lieber mal ne kleine Pause, so um elfe rum. Aber morgens, vor dem Frühstück, da bin ick mit dem Jarten denn schon eenmal rum.“
Tja. Da geht er mit seiner Kanne. Wie ein alter Indianer. Ein wenig gebeugt, klar, das Alter hinterlässt Spuren. Und wer 1946 konfirmiert wurde, geht halt anders als Jüngere….
Die einfache Selbstverständlichkeit, mit der er gestern gemeint hatte: „Ick bin denn um sechse da und gieß mal“. Die einfache Selbstverständlichkeit, mit der er heute früh da war und einfach anfing mit der Arbeit. Die einfache Selbstverständlichkeit, mit der er da seine gelbe Kanne den Hang hinaufträgt und die Pflanzen gießt.
Der klagt nicht, der meckert nicht. Der geht, trägt seine Kanne und gießt.
Als ich diese kurze Geschichte später in drei Sätzen für die Garten-Seite im Internet wiederhole, fallen mir andere postings auf: da wird gemeckert, geklagt, diskutiert, gezetert.
Dieser alte Nachbar da, der gekommen ist, um zu helfen, damit die Pflanzen im neuen Garten bekommen, was sie zum Wachsen brauchen, der ist diesem Geschwätz da draußen weit weit überlegen.
Er tut einfach, was zu tun ist.
Es war mir schwer gefallen, aufzustehen heute früh nach wenig Schlaf, ich gebe es zu.
Innerlich war ich ein wenig knurrig, denn mir blieb ja gar nichts anderes übrig, als dem alten Mann zu helfen, wenn er da ging und seine Kanne schleppte.
Oben schläft der Besuch im Gästezimmer – und ich schleppe Wasserkannen am Morgen in Gummistiefeln vom Bach den Hang hinauf in den neuen Garten.
Aber: diese Knurrigkeit war schnell verflogen. Nach ein, zwei Gängen durchs nasse Gras, ein kleiner Trampelpfad hatte sich schnell gebildet, war da nur noch der frische Morgen und die Arbeit, die zu tun war.
„Sechs mal bin ich schon gegangen“ sagt der alte Mann, als ich dazu komme.
Und er freut sich, dass ich mit zwei Kannen zu Hilfe komme.
„Ist doch besser, sowas zusammen zu machen.“
„Jo“ meint er. „Is besser“.
Füllt die drei Kannen, reicht sie mir. Ich nehme meine zwei, gehe den Hang hinauf, er folgt, wir gießen.
„Na, einmal muß ich noch, die da hinten braucht noch“ meint er.
„Ich komm nochmal mit hinunter, mach auch noch einen Gang“ sage ich.
Das ist unser Morgen-Gespräch. Etwa 25 Kannen braucht der Garten. Etwa eine Stunde Arbeit für zwei Leute.
Dann zeige ich ihm jede einzelne Pflanze, wo sie her kommt, wer sie gestiftet hat.
Und so entsteht eine kleine Beziehung zwischen ihm und mir, zwischen ihm und dem Garten.
Zwischen mir und den Garten und diesem Uckerland, das so beeindruckende Menschen hat.
Einfach. Klar. Selbstverständlich leben und arbeiten sie.
Wie dieser alte Mann.
Der tut diese Arbeit ja zusätzlich. „Ehrenamtlich“. „In Pasters Garten“. Seinen eigenen Garten macht er extra. „Vor dem Frühstück bin ich einmal rum“…..
„Beten und arbeiten“.
Da ist es.
„Red nich viel, nimm die Kanne. Und danke dem Herrgott für diesen schönen Morgen“.
Mehr ist nicht zu sagen.

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Glotzt nicht so romantisch! oder: etwas über Himmelfahrt

Ersterer Satz stammt von Bert Brecht.
Zweiteres geht auf eine sehr lange Tradition zurück. Schon das Alte Testament kennt Vorstellungen von „Himmelfahrt“. Die des Elija beispielsweise. Auch gibt es die Vorstellung von der „Himmelfahrt Marias“.

Übrig geblieben ist der „Männertag“. Und Restalkohol.
Soweit zur Geschichte.
Nun zum Detail.
Die alte Hetzdorfer Feldsteinkirche in der Uckermark hat eine besondere Himmelfahrts-Darstellung von 1620: da fährt die Christus-Figur „mit dem Kopf durch die Wand“, direkt durch den Balken.
Rätselhaft zunächst.
Wir wissen: von 1620 stammt diese Darstellung.
Sie bezieht sich auf einen Text in der Apostelgeschichte (Kapitel 1, Verse 1-11), in griechischer Sprache überliefert, oft übersetzt, diskutiert, interpretiert, gemalt, vertont, bedichtet; Bestandteil unserer Kulturgeschichte.
Also: doch nicht nur Restalkohol am Männertag.
Da lohnt näheres Hinsehen.
Im alten griechischen Text heißt es so wunderbar, als die Jünger Jesu in den Himmel schauten: „Als er das gesagt hatte, wurde er vor ihren Augen emporgehoben, und eine Wolke nahm ihn auf und entzog ihn ihren Blicken. Während sie unverwandt ihm nach zum Himmel emporschauten, standen plötzlich zwei Männer in weißen Gewändern bei ihnen und sagten: Ihr Männer von Galiläa, was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?….Dann kehrten sie vom Ölberg, der nur einen Sabbatweg von Jerusalem entfernt ist, nach Jerusalem zurück….“

Also: Glotzt nicht so romantisch, sondern wendet euch den irdischen Dingen zu. Geht wieder in die Stadt.
So wird es erzählt.
Sehr nüchtern ist das.
Das Geheimnis bleibt euch verborgen, ist „euren Augen entzogen“. Das ist die eine Botschaft der Erzählung von der Himmelfahrt.
Das andere ist: „geht in die Stadt“. Das heißt ja wohl: wendet euch dem Alltag zu, denn dort will christlicher Glaube Bewährung finden.
Nicht der „Blick in den Himmel“ macht den Christen aus, sondern die tägliche Tat.

In der alten Hetzdorfer Kirche fährt die Christus-Figur durch den Balken. Genauer: durch ein Loch im Balken. Ein „Heiliggeistloch“ vermutlich, dass in der Renaissance in etlichen Kirchen zu finden ist. Und: man „spielte“ mit dem ursprünglich als Lüftungsloch gelassenen architektonischen Detail: „Ein Heiliggeistloch oder Pfingstloch ist eine Öffnung in der Decke des Langhauses eines Kirchengebäudes, meist in der Nähe des Chores. Es diente ursprünglich als Lüftungsöffnung für die Kirche. Während des Pfingstgottesdienstes diente die Öffnung dazu, als Symbol für den Heiligen Geist eine weiße Taube freizulassen, eine Holztaube herunterzulassen oder Blumen herabregnen zu lassen. Gelegentlich ließ man durch die Öffnung trotz der Brandgefahr brennendes Werg als Symbol der Flammenzungen des Heiligen Geistes fallen. In anderen Fällen wurden die Zungen bereits als Verzierung rund um das Loch angebracht.In anderen Kirchen wurde an Christi Himmelfahrt ein Licht geschwenkt und für die Jugend wurden Süßigkeiten und Blumenkränze geworfen oder eineChristusfigur stieg durch diese Öffnung an einem Seil in den „Himmel“ auf.Der seit der Gotik bekannte Brauch kam nach der Aufklärung nach und nach außer Gebrauch, wird heute aber in einigen Kirchen wiederbelebt.

Im Passauer Dom ist über dem Heiliggeistloch im Dachgebälk eine Orgel als Fernorgel aufgestellt, die durch das durch ein Gitter verschlossene Heiliggeistloch hörbar ist“.(Wikipedia).

Was also ist die „Botschaft“ des Himmelfahrts-Tages?
Sie ist vielfältig, geht auf eine sehr alte Tradition zurück und ist gefüllt mit verschiedenerlei Vorstellungen.

Heute soll ein Akzent der Geschichte betont sein:
„Glotzt nicht so romantisch! – Sondern bewährt euren Glauben im Alltag. Geht wieder in die Stadt“.
Und, das mit dem Restalkohol könnt ihr euch ja auch noch mal überlegen. Davon jedenfalls steht nichts in der alten Geschichte……

 

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Uckerland liegt zwar in der Nähe von Berlin, aber nicht hinterm Mond….

Großstädte wie Hamburg und Berlin beginnen, Kunst und Kultur auch für mobile Anwendungen zugänglich zu machen.
Uckerland tut das seit heute auch. Denn Uckerland liegt zwar in der Nähe von Berlin, aber nicht hinterm Mond…..
Seit heute gibt es bei uns die Möglichkeit, eine “akustische Kirchenführung” auf dem Handy zu hören.
Wie das geht?
Mit einem QR-Code, den man kostenlos generieren kann. Er führt auf die Homepage, dort ist die “akustische Kirchenführung” hinterlegt.
Wer also als Tourist auf seinem Smartphone die Kirche erklärt haben will, hat es nun ziemlich einfach, er braucht nicht mal mehr ein Papier in die Hand zu nehmen und zu lesen.
Er scannt den Code, der sich am Eingang der Kirche (oder im Schaukasten) befindet, wird auf die Homepage geführt – und kann den Ort auswählen, in dem er gerade ist. In 3 bis 4 Minuten bekommt er nun akustisch die Kirche erklärt.

Und es funktioniert auch, wenn die Flyer mal alle sind…..

Wir haben diese mobile Anwendung heute hier in Uckerland eingeführt, weil wir nicht genügend Ehrenamtliche haben, die den Touristen die Kirchen erklären könnten. Zwar haben wir (beinahe) in jedem Ort jemanden, der den Kirchenschlüssel hat und aufschließen kann, aber wir haben bei weitem noch nicht in jedem Ort Kirchenführer. Die bilden wir gerade erst aus.
Deshalb kommen uns die Möglichkeiten des Internets sehr zu Hilfe.
Wer mal hören, will, wie so eine “akustische Kirchenführung” in Uckerland klingt, kann das hier tun.

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Maimorgen

4.50 Uhr. DU weckst mich früh heute! Eigentlich würde ich ja gerne noch ein wenig liegen bleiben, aber wenn DU sagst, ich soll aufstehen, stehe ich also auf.
Gehe durch das Wohnzimmer auf die Terrasse, sehe den üppigen Garten.
Regenwolkenfetzen treiben am Himmel. Es hat gut geregnet in der Nacht.
Es dämmert früh.
Die Nachtigall singt.
Die Bäume rauschen.
Ich stehe auf der Terrasse und höre DIR zu.
Plötzlich höre ich, was du mir zeigen wolltest.

„Die Himmel rühmen die Ehre Gottes und die Veste seiner Hände Werk“ höre ich in den uralten Worten, die ich seit meiner Kindheit kenne. Oft habe ich sie gesungen.
Die Nachtigall singt davon.
Der Wind auch.
Und der Bach.
Meine Gedanken wollen immer wieder ausweichen vor dieser starken Botschaft, wollen flüchten in die vielen Angelegenheiten, die zu erledigen sind in dieser großen Landpfarrstelle.
Die vielen unerledigten Angelegenheiten. Besuche, Bausachen, Briefe.
Gestern habe ich ein paar Stunden allein damit verbracht, zu verstehen, was ein QR-Code ist. Wir könnten soetwas gebrauchen, um unsere alten Kirchen für Touristen offen zu halten und sie zu erklären, auch wenn wir keine Ehrenamtlichen haben, die das tun könnten.
Gestern war mir einer dieser wichtigen Ehrenamtlichen „von Bord gegangen“. Die Gesundheit lässt nicht mehr zu, dass er sich weiter kümmert.
Solche Gedanken.
Wie kann es gehen ohne Mitarbeiter?
Wie kann es gehen, wenn die Menschen älter und hinfälliger werden?

„Die Himmel rühmen die Ehre Gottes“. (Psalm 19)
So singt die Nachtigall.
So rauscht es der Wind.
„Höre!“
Das also wolltest DU mir sagen an diesem frühen Morgen im Mai in Uckerland.
Ich hab verstanden.

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Die Figur im Holz. Text 15. Baumgeschichte… Von Peter Reuter

Baumgeschichte…
(Ein Märchen?)

Fürwahr, diese Geschichte, ich habe sie im Wald gehört, sie wird dort immer noch erzählt, und dies seit mehr als vielen Jahren. Wahr sei sie – diese Geschichte, die Bäume sagen es, sie sagen es alle. Und weil ich die Geschichte immer dann erzählt bekomme, von den Bäumen, betrete ich ihn, diesen ihren Wald, deswegen hatte ich beschlossen, dass sie wahr sei. Mittlerweile weiß ich es genau, sie ist wahr.

Als der Baum wusste, dass es für Zeit für ihn sei, den Wald zu verlassen, der Waldrand hatte sich in den letzten 200 Jahren stetig auf ihn zu, bewegt, da stellte er sich manchmal vor, was wohl aus ihm und seinem Holz werden würde. Die Gedanken wanderten durch all die Möglichkeiten, von denen er wusste, weil er davon gehört hatte. Lange, sehr lange und gerne hatte er im Wald gelebt und geliebt, hatte geblüht, wurde bestäubt und hatte gestreut. Der Nachkommen viele, alle besetzt mit Zipfeln von Geist und Seele, seinem Geist, seiner Seele – es würde nicht schwierig sein, in ein neues Leben einzutreten. Angst war ihm fremd, zu lange hatte er gelebt und gesehen, nur diesen Zipfel Geist, diesen Zipfel Seele, den wollte er auch bei sich behalten.

Jetzt gilt es abzukürzen, präzise zu schildern, was mit ihm passierte. Das Fällen, längst erwartet, trotzdem kam es überraschend. Als er sich neigte, da dachte er daran, gleich würde er wissen, was es bedeuten würde, zu liegen. Dies war eines der Geheimnisse, welches er in den vielen Jahren nicht für sich ergründet hatte, er war nie gelegen. Die Menschen zogen ihm die Kleider aus, entfernten Äste und Blätter, sie schälten die Rinde – und aus seinem Stamm wurde in drei Teile zerlegt. Jedes Teil war mit einem Zipfel besetzt, mit einem Zipfel Geist und mit einem Zipfel Seele.

Die Geschichte des ersten Teils ist keine schöne Geschichte. Und obwohl er vom zu Geschehenden gehört hatte, Kunde davon war in den Wald bis zu ihm durchgedrungen, trotzdem war es schlimmer, als er es sich je ausgemalt hatte.
Vermeintlich fleißige Menschen drechselten aus ihm Schäfte für Speere, Griffschalen für Schwerter, Pfeile für den Bogen. Später musste er seinen Leib für Gewehrkolben hergeben, für Munitionskisten – und die Griffschalen schmückten vermeintlich die Griffe von Pistolen. All diese Instrumente wurden reichlich eingesetzt und erwiesen sich auf ihre Art als sehr erfolgreich. Die Menschen meinten, das Holz sei harzig. Keiner bemerkte, dass es sich die Seele aus dem Leib weinte, dass es nicht mehr aufhören konnte, dass es froh und dankbar war für das Feuer, welches auch es erfasste und zu Asche verwandelte. Die Asche versteckte sich voller Gram unter der Erde. Mit der Trauer, der großen und schrecklichen Trauer, es war nicht möglich, damit zu enden. Geist und Seele machten sich auf den Weg, es musste das Andere geben, und sie fanden den zweiten Teil, wo man sie willkommen hieß.

Die Geschichte des zweiten Teils hat nicht mit Waffen zu tun, trotzdem ist sie nicht immer eine schöne Geschichte – und sie hat wieder mit den Menschen zu tun. Aus dem Block schnitten die Menschen Bohlen und Bretter, Pflöcke und Erdnägel. Scheinbar brauchten sie eine ganze Menge davon, viele Bäume wurden dazu verarbeitet. Am Fuße eines Berges nahm man sie und baute an der Stelle, an der ein wilder Bach auf die Talsohle traf, einen Damm, einen Deich. Warum auch immer, die Menschen hatten an diesem Berg alle Bäume gefällt und nicht bedacht, dass die Bäume als Freunde der Menschen im Sommer das Wasser und im Winter das Wasser und den Schnee davon abhielten, die Gärten und die Siedlung zu überschwemmen und zu vernichten. So kam es, wie es kommen musste. Das Wasser war zu viel und zu mächtig, als es unentwegt und schier endlos den Berg hinunter sprang, Steine und Felsen, und auch unvorsichtige Jungbäume einfach mit sich riss, zuerst den Garten, dann die Weiden, dann die Siedlung überflutete und gänzlich bedeckte. Nicht nur die Menschen hörten auf zu leben, auch das Tal verwandelte sich in einen Ort des Schmerzes und der Trauer. Das Holz verfaulte und versteckte sich unter der Erde – und ein nicht endend wollender Schmerz nistete sich ebenfalls ein. Ein Zipfel Geist und ein Zipfel Seele konnten sich retten und fanden den dritten Teil des Stammes, wo man sie willkommen hieß.

Der dritte Teil, er blieb lange unbemerkt in einem Schuppen liegen, träumte von Zeiten, als er Teil eines Baumes war, umarmte Geist und Seele des ersten und den zweiten Teils, welche Schmerz und Trauer immer noch in sich trugen. Wahrhaftig Zeit war es, dass sich die Geschichte eine andere Richtung gab, dass Glaube und Liebe und Hoffnung helfen würden – zu verstehen und zu verändern. Auch der Schöpfer des Waldes und der Menschen und der Welt und des Himmels dachte daran, dass es mehr als Zeit sei. Und so schickte er einen Menschen in den Schuppen und dieser sah den Stamm und streichelte ihn und wusste, was in dem Stamm verborgen war, und er würde helfen, eine Türe zu finden und den Stamm öffnen und die Menschen öffnen, auf das die Menschen ein Einsehen hatten und haben, mit sich, mit den Bäumen, mit dem Leben, mit dem Gott. Und so geschah es, die Gestalt öffnete die Tür, trat in einen Mantel gehüllt ins Freie. Ihre großen und blinden Augen sehen alles, Geist und Seele eines Baumes finden sich darin. Bäume sind sehr alt und sehen alles – und sie wissen alles. Und die Gestalt nannte sich Christine 3 und heißt heute immer noch so. Und wenn man bei ihr steht oder sitzt, sie berührt, sich von ihr berühren lässt, dann weiß man genau, was mit Holz nicht mehr passieren darf. Man ist dem Schöpfer der Figur dankbar, er hatte den rechten Schlüssel zur Hand. Und man ist dem Schöpfer dankbar, für den Weg. Das, liebe Freundinnen und Freunde, das ist wirklich mehr als gut.

© Peter Reuter

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